Manchmal entstehen die stärksten Bilder genau dort, wo die Ordnung der Welt für einen Augenblick zerfällt.
An diesem Tag im Deadvlei in Namibia wurde der Wind immer stärker. Sand raste über die ausgetrocknete Lehmpfanne und fiel schließlich wie feiner Regen aus dem Himmel auf uns herab. Die meisten Besucher suchten Schutz und liefen zurück zu ihren Fahrzeugen. Doch ich bat meine Fotografen zu bleiben. Denn manchmal schenkt uns die Natur ihre außergewöhnlichsten Bilder nicht dann, wenn sie freundlich zu uns ist, sondern wenn sie uns herausfordert. Wir standen mitten im Sandsturm, die Kameras fest in den Händen, und warteten. Zwischen den heftigen Böen entstanden kleine Dust Devils – tanzende Säulen aus Sand und Luft, die für wenige Augenblicke über das Deadvlei zogen. Einer dieser Wirbel erschien hinter einem uralten, abgestorbenen Baum. Und plötzlich wirkte es, als würden beide miteinander tanzen. Die geschwungene Form des Windwirbels spiegelte beinahe die Bewegung des toten Stammes: das seit Jahrhunderten erstarrte Holz und der ruhelose Wind, das Bleibende und das Flüchtige, Vergangenheit und Augenblick. Vielleicht liegt darin eine der großen Lektionen der Fotografie: nicht immer vor dem Unbequemen davonzulaufen. Manchmal müssen wir bleiben, wenn andere gehen, hinsehen, wenn andere wegschauen, und darauf vertrauen, dass selbst im Chaos für einen Augenblick eine unerwartete Ordnung entstehen kann. An diesem Tag war der Sandsturm kein Hindernis für unsere Fotografie. Er war unser wichtigster Mitautor. Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen. www.benny-rebel.com