
Afrikas Dickhäuter und ihre kostenlose Ganzkörperkosmetik
Gestern begegnete uns auf unserer Fotosafari im Madikwe Game Reserve ein Elefant, der aussah, als hätte er sich frisch in Terrakotta streichen lassen.
Am Wasserloch stand der rote Riese, den Rüssel stolz in die Luft gereckt. Im Hintergrund warteten Gnus und Zebras. Vermutlich überlegten sie, ob sie hier versehentlich bei einer Modenschau gelandet waren.
Denn Elefanten haben ein verblüffendes Geheimnis: Unter all dem modischen Schnickschnack ist ihre Haut grundsätzlich grau. Rot, weiß, dunkelbraun oder beinahe schwarz werden sie durch Staub und Schlamm, mit denen sie sich einpudern und einreiben.
In Gegenden mit eisenoxidhaltiger, rötlicher Erde verwandelt sich ein grauer Elefant kurzerhand in ein wandelndes Ziegelwerk. In anderen Regionen sorgt heller, mineralreicher Staub für eine fast weiße Erscheinung. Und dunkler, nasser Schlamm? Der macht aus dem Dickhäuter einen Elefanten in Abendgarderobe.
Der Clou: Diese Wellnessbehandlungen sind keine Eitelkeit. Die Schicht aus Staub und Schlamm hilft, die Haut vor Sonne und lästigen Insekten zu schützen.
Wir Menschen kaufen teure Cremes, buchen Schlammpackungen und diskutieren stundenlang über den richtigen Hautton. Der Elefant wälzt sich einmal im Dreck und ist fertig. Kein Spiegel, kein Kosmetikstudio, keine Rechnung.
Unser roter Herr am Wasserloch wirkte jedenfalls ausgesprochen zufrieden mit seinem neuen Look. Vielleicht dachte er: „Grau kann jeder. Heute trage ich Sonnenuntergang.“
Genau deshalb liebe ich das Fotografieren auf Reisen: Die Natur liefert nicht nur großartige Bilder, sondern auch Geschichten, die hinter der Farbe stecken.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.
