
Gabelracke gegen Glanzstar – die himmlische Hausordnung
Wer glaubt, in Afrikas Wildnis herrsche überall Friede, Freude, Eierkuchen, hat vermutlich zu viele Disneyfilme gesehen. Hier gibt es weder Streitschlichter noch Beschwerdestelle. Und schon gar keinen Betriebsrat.
Gestern auf unserer Fotosafari in Südafrika: Ein Glanzstar fliegt friedlich seines Weges. Da schießt eine Gabelracke hinterher, den Schnabel weit aufgerissen, als würde sie brüllen: „VERZIEH DICH! DIESER LUFTRAUM GEHÖRT MIR!“
Der Glanzstar denkt sich vermutlich: „Entschuldigung, Frau Fluglotsin, seit wann ist der Himmel privatisiert?“
Willkommen im afrikanischen Nachbarschaftsstreit. Hier wird gezankt, geschubst, gedroht und gelegentlich ordentlich ausgeteilt. Und das ganz ohne WhatsApp-Gruppe der Eigentümergemeinschaft.
Am Wasserloch läuft es ähnlich: Kaum erscheint eine Elefantenfamilie, heißt es für die anderen oft: „ALLE RAUS! DIE BADEABTEILUNG HAT RESERVIERT!“ Selbst Löwen können dann ihren königlichen Durst woanders stillen. Größe des Wasserlochs? Völlig egal. Es geht ums Prinzip!
Bei Pavianen wird geklaut und gerauft, bei Elefanten gibt es Geschwistergezänk, und wer beim Futter oder beim Flirten den Kürzeren zieht, kann sich seine Beschwerde direkt auf ein trockenes Blatt schreiben.
Die Wildnis ist eben keine Wellnessanlage mit Vogelgesang im Hintergrund. Sie ist ein Dauerstreit um Raum, Nahrung, Wasser und Nachwuchs. Nicht immer gewinnt der Stärkste – manchmal der Schlauere, Schnellere oder einfach der mit der größeren Klappe.
Und genau diese große Klappe hat meine Gabelracke gestern meisterhaft vorgeführt.
Beim Fotografieren auf Reisen liebe ich solche Geschichten. Unsere Fotoreise bietet nicht bloß hübsche Tierporträts, sondern unzensierte Einblicke in die größte Realityshow der Welt.
Titel der heutigen Folge: „Zwei Vögel, ein Himmel – und einer hat Hausverbot.“
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.
