Elefanten als Bilderrahmen – wenn aus Tierfotografie Bildgestaltung wird.
Manchmal entsteht ein außergewöhnliches Tierfoto nicht dadurch, dass plötzlich etwas Spektakuläres passiert. Es entsteht, weil man einige Sekunden oder Minuten vorher erkennt, was gleich passieren könnte.
Genau das zeigen diese vier Bilder in meinem heutigen Beitrag.
Bei zwei Aufnahmen bilden Elefanten gewissermaßen einen lebenden Rahmen für Löwen im Hintergrund. Auf einem anderen Foto verbindet sich ein Elefant im Vordergrund mit einem zweiten Tier in der Ferne. Und beim Sonnenuntergang wird die Silhouette des Elefanten selbst zur Bühne für die untergehende Sonne.
Solche Bilder entstehen selten durch Zufall.
Nach rund drei Jahrzehnten Tierfotografie sehe ich viele Situationen inzwischen, bevor sie zum Bild werden. Ich beobachte die Bewegungsrichtung der Tiere, den Stand der Sonne, die Distanzen, den Hintergrund und die Möglichkeiten, die sich aus unserer eigenen Position ergeben.
Beim Foto mit der untergehenden Sonne waren wir beispielsweise mit dem Boot unterwegs. Ich wusste, wo die Sonne verschwinden würde, sah die Elefanten an der passenden Stelle und bat unseren Guide sofort, das Boot so zu positionieren, dass Sonne und Elefant wenige Minuten später genau zusammenfinden konnten.
Bei anderen Situationen funktioniert es ähnlich: Wir verändern mit dem Fahrzeug oder Boot unseren Standort, ich zeige meinen Fotografen, welches Tier zum Vordergrund werden könnte, wo sich im Hintergrund etwas entwickelt und worauf sie jetzt achten sollten.
Dann beginnt das eigentliche Spiel der Fotografie.
Fokussiere ich auf den Elefanten im Vordergrund und lasse den Löwen weich erscheinen? Oder soll der Blick durch den Elefanten hindurch direkt auf den Löwen geführt werden? Welche Brennweite verbindet beide Ebenen? Und an welcher Stelle müssen wir stehen, damit aus zwei voneinander unabhängigen Motiven plötzlich ein einziges Bild entsteht?
Genau solche Momente liebe ich auf meinen Fotoreisen.
Meine Aufgabe ist nicht nur, meine Gäste zu interessanten Tieren zu bringen. Ich möchte ihnen helfen, zu sehen, bevor sie fotografieren. Denn zwischen einem gewöhnlichen Erinnerungsfoto und einem starken Bild liegen manchmal nur drei Meter Standortveränderung, fünf Sekunden Vorbereitung und ein geschultes Auge.
Und manchmal stehen dafür sogar ein paar Tonnen Elefant als Bilderrahmen zur Verfügung.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.
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