
Adel verpflichtet. Nur leider hat niemand Manfred informiert.
Auf einem Felsen in Südafrika sitzt ein Wesen, das aussieht, als hätte ein Murmeltier einen schlecht bezahlten Job als Türsteher angenommen. Sein Name: Manfred. Beruf: Klippschliefer. Selbstverständnis: Hochadel.
Manfred erzählt jedem, der nicht schnell genug wegläuft, von seiner berühmten Verwandtschaft. Denn Klippschliefer und Elefanten gehören zu einer uralten Verwandtschaftslinie. Nur hat die Evolution bei der Erbverteilung offenbar eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen.
Der Elefant bekam den Rüssel, die Stoßzähne, tonnenweise Muskeln und einen Auftritt, bei dem sogar Löwen höflich Platz machen.
Manfred bekam kurze Beine, einen rundlichen Bauch und eine Frisur, die aussieht, als hätte er in einer Steckdose übernachtet.
„Wir sind praktisch dieselbe Familie“, behauptet Manfred stolz.
Der Elefant schweigt. Aus gutem Grund.
Trotzdem residiert Manfred auf seinem Felsbalkon, sonnt sich ausgiebig und überwacht sein Reich: drei Steine und einen Busch.
Dabei sind Klippschliefer keineswegs unfähig: Sie leben gesellig in Felskolonien, klettern erstaunlich geschickt und haben spezielle feuchte Fußsohlen, die ihnen auf glatten Steinen Halt geben. Nur beim Thema majestätische Erscheinung gab es offenbar Lieferschwierigkeiten.
Als ich Manfred während unserer Fotosafari fotografierte, sah er mich mit der Würde eines Monarchen an, dessen Krönung seit Jahrhunderten auf dem Postweg verschollen ist.
Und vielleicht liegt darin seine größte Stärke: Man muss nicht groß sein, um sich großartig zu fühlen.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.
