
Meine unvergessliche Liebe zu Havanna und den Menschen Kubas
Es gibt Orte, die man besucht. Und es gibt Orte, die für immer in einem wohnen. Havanna gehört für mich zur zweiten Kategorie. Dieses Bild einer tanzenden Ballerina erinnert mich an unzählige Begegnungen mit Menschen, deren Lebensfreude selbst dort weiterlebt, wo Hoffnung längst zur Mangelware geworden ist.
Havanna – Eine Liebe, die die Zeit nicht besiegen konnte
Es gibt Städte, die beeindruckend sind.
Und es gibt Städte, die dein Herz stehlen.
Havanna hat meines gestohlen.
Über viele Jahre durfte ich mit Fotografen aus aller Welt nach Kuba reisen. Ich habe für uns außergewöhnliche Fotoworkshops organisiert. Wir arbeiteten mit den besten Tänzern des Landes, mit großartigen Fotomodellen, weltbekannten Boxern, Schauspielern, Musikern und wundervollen Ballerinas. Es waren keine gewöhnlichen Shootings. Es waren Begegnungen zwischen Kunst und Menschlichkeit.
Wir haben gelacht.
Wir haben gemeinsam fotografiert.
Wir haben gemeinsam gegessen.
Wir haben gemeinsam getanzt.
Und wir haben einander mit großem Respekt begegnet.
Was mich an Kuba bis heute tief berührt, sind nicht die alten amerikanischen Straßenkreuzer. Nicht die bunten Fassaden. Nicht die Zigarren. Nicht der Rum.
Es sind die Menschen.
Menschen, die trotz unvorstellbarer Schwierigkeiten morgens aufstehen und anderen ein Lächeln schenken.
Menschen, die Musik nicht hören – sondern leben.
Wo irgendwo eine Tür offen steht und ein Rhythmus nach draußen klingt, dauert es oft nur wenige Sekunden, bis jemand tanzt.
Dieses Tanzen ist kein Hobby.
Es ist Überleben.
Es ist Hoffnung.
Es ist Würde.
Havanna ist keine perfekte Stadt.
Sie ist laut.
Sie ist chaotisch.
Sie ist bröckelig.
Manchmal scheint selbst der Putz der Häuser müde geworden zu sein.
Und doch besitzt sie eine Schönheit, die sich jeder Perfektion entzieht. Dort erzählt jede Wand Geschichten. Selbst der Schimmel an den Fassaden wirkt wie ein Teil eines riesigen Gemäldes, das das Leben über Jahrzehnte gemalt hat.
Diese Stadt besitzt einen Rhythmus, den man nicht erklären kann.
Man muss ihn fühlen.
Heute schmerzt es mich, dass ich diese Reisen nicht mehr durchführen kann.
Nicht, weil mir die Lust fehlt.
Sondern weil die politischen und wirtschaftlichen Umstände das Land und seine Menschen immer stärker einengen. Die Menschen Kubas geraten seit Jahren zwischen politische Fronten. Entscheidungen innerhalb des Landes und internationale Sanktionen erschweren ihren Alltag erheblich. Am Ende tragen nicht Politiker die schwersten Lasten – sondern Familien, Künstler, Musiker, Tänzer und all jene, die einfach nur leben möchten.
Viele denken daran, ihre Heimat zu verlassen.
Nicht, weil sie Kuba nicht lieben.
Sondern weil sie dort kaum noch eine Zukunft sehen.
Das macht mich traurig.
Denn ich kenne dieses Volk anders.
Ich kenne sein Lachen.
Seine Musik.
Seine Großzügigkeit.
Seinen Humor.
Seine Kreativität.
Und seine unglaubliche Fähigkeit, selbst aus den kleinsten Momenten Lebensfreude entstehen zu lassen.
Das heutige Bild zeigt eine wundervolle Ballerina, die für unseren Workshop mitten auf einer schmutzigen Straße Havannas tanzte.
Für viele wäre es nur eine Straße gewesen.
Für uns wurde sie zu einer Bühne.
Zu einem Ort, an dem Kunst stärker war als Armut.
Eleganz stärker als Verfall.
Und Hoffnung stärker als jede graue Hauswand.
Dieses Bild widme ich allen Freunden, die mich auf meinen Kuba-Fotoreisen begleitet haben.
Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Klang der Musik, an das Lachen der Kinder, an den Duft der Straßen, an die langen Gespräche und an jene unvergesslichen Abende, an denen niemand auf die Uhr schaute.
Ich vermisse diese Reisen.
Ich vermisse diese Menschen.
Ich vermisse Havanna.
Meine Liebe zu Kuba ist geblieben.
Unverändert.
Still.
Tief.
Und wahrscheinlich für immer.
Benny Rebel
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.
