
Wenn auf einer Fotosafari plötzlich ein Löwenbaby kurz vor der Entbindung steht
Heute Morgen haben wir in der Serengeti 22 Löwen gesehen. Doch einer davon hat es geschafft, dass ich die anderen 21 beinahe vergessen habe.
Darf ich vorstellen: Karl-Heinz. Vier Monate alt, männlich und offensichtlich im neunten Monat schwanger.
Die Löwen hatten in der Nacht erfolgreich Beute gemacht und anschließend ordentlich gefressen. Auch Karl-Heinz hatte sich am Buffet bedient.
Allerdings hatte er offenbar niemanden dabei, der irgendwann sagte:
„Karl-Heinz, es reicht!“
Also fraß Karl-Heinz weiter.
Und weiter.
Und vermutlich noch etwas für unterwegs.
Als wir ihn entdeckten, war sein Bauch so gigantisch, dass ich kurz überlegte, ob wir Zeugen einer zoologischen Sensation werden: Bringt hier gleich ein vier Monate alter Löwenjunge Zwillinge zur Welt?
Dann stand seine Mutter auf und lief zu einem schattigen Platz.
Karl-Heinz schaute ihr hinterher.
Sein Gesicht sagte alles:
„Mutter! Bist du wahnsinnig? Ich habe gerade gegessen!“
Doch Mama kannte keine Gnade.
Also setzte sich Karl-Heinz in Bewegung.
Das Problem: Sein Bauch war bereits unterwegs, bevor der restliche Löwe losgelaufen war.
Von der Seite betrachtet bestand Karl-Heinz inzwischen ungefähr aus 20 Prozent Löwe und 80 Prozent Verdauung.
Bei jedem Schritt schwankte die Kugel unter ihm bedrohlich hin und her. Ich wartete eigentlich nur darauf, dass seine vier Beine den Bodenkontakt verlieren und Karl-Heinz die letzten Meter einfach wie ein Medizinball durch die Serengeti rollt.
Fotografisch war das eine Herausforderung.
Nicht wegen des Lichts.
Nicht wegen der Entfernung.
Sondern weil ich beim Fotografieren lachen musste.
Schließlich erreichte Karl-Heinz tatsächlich seine Mutter im Schatten und dürfte dort eine wichtige Lektion fürs Leben gelernt haben:
Nach „All you can eat“ bedeutet Fotosafari manchmal auch „All you can walk“.
Lieber Karl-Heinz, ruh dich aus.
Und falls dich morgen jemand fragt, ob du wieder Hunger hast:
Sag einfach Nein.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.


