
Der größte Schreihals Botswanas hat den dicksten Sack!
Wir sitzen mitten in der Wildnis Botswanas, im legendären Mashatu Game Reserve, in einem unterirdischen Fotoversteck. Unser Ziel: Löwen, Leoparden, Elefanten und andere majestätische Geschöpfe der afrikanischen Wildnis fotografieren.
Doch wir haben die Rechnung ohne Gerhard gemacht!
Gerhard ist eine Kröte. Eine ausgesprochen hässliche Kröte. Aber was Mutter Natur ihm an Schönheit verweigert hat, hat sie ihm offenbar doppelt und dreifach an Selbstbewusstsein geschenkt.
Seit VIER STUNDEN sitzt dieser kleine Kerl etwa zwei Meter von uns entfernt und brüllt sich die Seele aus dem Leib!
Gefühlte 100 Dezibel! Ohne Pause! Ohne Rücksicht! Ohne jede musikalische Begabung!
Gerhard ist nämlich verliebt. Seine Angebetete heißt Giesela.
Und Giesela steht offensichtlich auf Männer mit dicken Säcken und großen Klappen!
Gerhard besitzt beides. Sein aufgeblasener Kehlsack ist gewaltig, seine Stimme noch gewaltiger. Damit hält er sich vermutlich für den Luciano Pavarotti der Amphibienwelt.
Sein Königreich umfasst ungefähr 50 Kubikmeter Teichwasser. Dort regiert er mit eiserner Kehle und dem Selbstbewusstsein eines Löwen, der gerade die gesamte Serengeti geerbt hat.
Während wir auf unserer Fotosafari geduldig auf die großen Stars Afrikas warten, gibt Gerhard ein Solokonzert, das niemand bestellt hat und das offenbar niemals enden wird.
Giesela findet das wahrscheinlich unglaublich erotisch.
Wir hingegen überlegen, ob wir ihm einen Plattenvertrag anbieten sollen. Hauptsache, er verschwindet auf Welttournee!
Das Schlimmste: Wir müssen noch ZEHN STUNDEN hier ausharren!
Unsere Fotoreise entwickelt sich langsam zu einem akustischen Überlebenstraining. Fotografieren auf Reisen kann eben auch bedeuten, die Nerven eines buddhistischen Mönchs zu entwickeln.
Und sollte morgen früh ein Löwe mit Ohrenschützern am Wasserloch erscheinen, wissen wir wenigstens, warum.
Gerhard, wir gönnen dir deine Giesela von Herzen. Aber BITTE: Küss sie endlich und halt die Klappe!
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.
