
Benny Rebel – Ein Mensch mit vielen Gesichtern: Warum niemand in eine einzige Schublade passt
Was macht einen Menschen wirklich aus? Sind wir das, was andere von uns sehen – oder sind wir die Summe unzähliger Facetten, die nur wenige jemals kennenlernen? Bevor ich morgen wieder in die Wildnis Australiens aufbreche, möchte ich euch auf eine andere Reise mitnehmen. Eine Reise in die Wildnis des menschlichen Charakters.
Die vielen Facetten einer Seele – Eine philosophische Betrachtung
Morgen steige ich in ein Flugzeug nach Australien. In wenigen Tagen werde ich wieder dort sein, wo ich mich seit über drei Jahrzehnten zu Hause fühle: in der Wildnis. Zwischen Kängurus, Krokodilen, Kasuaren, Kakadus und anderen faszinierenden Lebewesen werde ich erneut ihre Verhaltensmuster beobachten, fotografieren und versuchen, ihre Geschichten mit meiner Kamera zu erzählen.
Doch bevor ich wieder über die Verhaltensweisen wilder Tiere berichte, möchte ich heute über ein Lebewesen sprechen, das wesentlich schwerer zu verstehen ist.
Über den Menschen.
Über uns.
Je länger ich Tiere beobachte, desto mehr stelle ich fest, dass wir Menschen die wohl komplexeste Spezies dieses Planeten sind. Kein anderes Lebewesen lebt so viele unterschiedliche Rollen gleichzeitig. Kein anderes Wesen erschafft sich immer wieder neu. Und kein Mensch gleicht dem anderen.
Wir alle tragen viele Gesichter in uns.
Nicht im Sinne von Verstellung.
Sondern im Sinne von Vielfalt.
Ich beginne einfach bei mir selbst.
Denn vielleicht erkennt sich der eine oder andere von euch darin wieder.
Der Ranger
Die meisten Menschen kennen mich als den Fotografen mit Hut.
Den Mann, der seit über dreißig Jahren durch Regenwälder, Wüsten, Savannen und abgelegene Landschaften zieht, der wilden Tieren oft näher kommt als vielen Menschen und dessen Kleidung meistens eher praktisch als elegant ist.
Sie sehen den Abenteurer.
Den Naturfotografen.
Den Ranger.
Sie sehen jemanden, der Löwen, Leoparden, Orang-Utans oder Jaguare fotografiert und dafür manchmal tagelang auf Komfort verzichtet.
Und dieses Bild stimmt.
Aber es ist eben nur ein Teil von mir.
Der Musiker
Viele wissen gar nicht, dass Musik mein Leben seit Jahrzehnten begleitet.
Seit über dreißig Jahren stehe ich immer wieder auf Reggae-Bühnen, singe, tanze, bin DJ und genieße jeden einzelnen Moment.
Dort trägt Benny Rebel keine Safari-Kleidung.
Dort gibt es bunte Hemden, auffällige Schuhe, Schmuck und jede Menge Rhythmus.
Die Bühne ist eine völlig andere Welt als die Wildnis.
Und dennoch bin ich dort genauso ich selbst.
Musik ist für mich Freiheit.
Sie verbindet Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache oder Religion.
Ein guter Reggae-Song kann manchmal mehr Frieden stiften als eine lange politische Rede.
Der Philosoph
Dann gibt es noch den kleinen Philosophen in mir.
Ich denke unglaublich viel nach.
Über das Leben.
Über Gerechtigkeit.
Über Verantwortung.
Über Frieden.
Über den Umgang der Menschen miteinander.
Viele meiner Blogbeiträge entstehen genau aus diesen Gedanken heraus.
Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch die Welt ein kleines Stück besser hinterlassen kann, als er sie vorgefunden hat.
Vielleicht ist das naiv.
Vielleicht aber auch notwendig.
Der Gestalter
Ein weiteres Gesicht von mir liebt Design.
Ich mag außergewöhnliche Architektur.
Extravagante Kleidung.
Besondere Möbel.
Kunst.
Farben.
Formen.
Ich genieße High-Society-Veranstaltungen genauso wie eine Nacht mitten im Dschungel.
Viele glauben, beides würde sich widersprechen.
Ich glaube das nicht.
Warum sollte jemand, der die Schönheit unberührter Natur liebt, nicht gleichzeitig die Kreativität menschlichen Designs bewundern dürfen?
Schönheit besitzt viele Ausdrucksformen.
Der Unternehmer
Es gibt außerdem den Geschäftsmann in mir.
Den sehen viele überhaupt nicht.
Ich habe bei null angefangen.
Ohne das Geld der Eltern.
Ohne Investoren.
Ohne finanzielle Sicherheit.
Nur mit einer Idee.
Mit Mut.
Mit unzähligen Arbeitsstunden – weitaus mehr als nur 40 Stunden die Woche.
Mit Rückschlägen.
Mit Niederlagen.
Und immer wieder mit dem festen Glauben daran, dass harte Arbeit irgendwann Früchte tragen wird.
Heute existieren mehrere Unternehmen, weil ich nie aufgehört habe, an meine Träume zu glauben.
Nicht Talent allein bringt Menschen ans Ziel.
Beständigkeit tut es.
Der Familienmensch
Doch wenn ihr mich fragt, welche Seite ich selbst an mir am meisten liebe, dann gibt es darauf nur eine Antwort.
Der Familienmensch.
Meine Familie.
Meine Freunde.
Sie sind mein sicherer Hafen.
Sie sind mein Zuhause.
Sie sind der Grund, warum sich jeder Erfolg überhaupt erst wertvoll anfühlt.
Ich versuche alles in meiner Macht Stehende zu tun, um Beziehungen zu pflegen, fair zu sein, Konflikte respektvoll zu lösen und Wärme in mein Umfeld zu bringen.
Denn am Ende unseres Lebens erinnern wir uns selten an den Kontostand.
Aber immer an die Menschen, die unser Herz berührt haben.
Die Gefahr der Schubladen
Wir Menschen lieben Schubladen.
Sie machen die Welt einfacher.
„Der ist Fotograf.“
„Sie ist Politikerin.“
„Er ist Unternehmer.“
„Sie ist Künstlerin.“
Doch das Leben ist niemals so einfach.
Kein Mensch besteht nur aus einem einzigen Etikett.
Jeder trägt eine ganze Bibliothek verschiedener Persönlichkeiten in sich.
Je älter ich werde, desto vorsichtiger werde ich mit Urteilen.
Denn ich weiß heute:
Das, was wir von einem Menschen sehen, ist meistens nur die Titelseite seines Buches.
Die spannendsten Kapitel kennen oft nur seine engsten Freunde.
Was ich von Tieren gelernt habe
Vielleicht habe ich gerade deshalb so viel von Tieren gelernt.
In der Natur funktionieren Schubladen erstaunlich schlecht.
Eine Leopardin ist gleichzeitig Jägerin, Mutter, Beschützerin und Überlebenskünstlerin.
Ein Elefant kann sanft und gleichzeitig unglaublich entschlossen sein.
Ein Krokodil wirkt faul und regungslos, kann aber blitzschnell reagieren.
Auch dort gibt es viele Facetten.
Warum sollten wir Menschen weniger vielschichtig sein?
Mein Wunsch
Wenn dieser kleine Gedankenausflug heute etwas bewirken soll, dann vielleicht nur dies:
Beurteile Menschen niemals ausschließlich nach dem ersten Eindruck.
Nicht nach ihrem Beruf.
Nicht nach ihrer Kleidung.
Nicht nach ihrer politischen Meinung.
Nicht nach einem einzigen Satz.
Nicht nach einem einzigen Fehler.
Jeder Mensch trägt Geschichten in sich, die wir nicht kennen.
Jeder Mensch kämpft Kämpfe, die wir nicht sehen.
Und jeder Mensch besitzt Seiten, die vielleicht niemals öffentlich werden.
Vielleicht wäre unsere Welt ein wenig friedlicher, wenn wir einander öfter mit Neugier statt mit Vorurteilen begegnen würden.
Herzliche Grüße aus Hannover
Benny