
Wo Armut wohnt, aber Hoffnung singt.
Heute war ich an einem Ort, an dem das Leben härter ist als Beton.
Am Rand von Bogotá – in einem der gefährlichsten Ghettos der Welt.
Nur mit bewaffnetem Schutz konnte ich dort eintreten.
Und doch fand ich dort nicht nur Armut.
Ich fand Menschlichkeit.
Kunst.
Träume.
Ich saß im Zuhause einer jungen Familie.
Der Vater – Rapper.
Die Mutter – Graffiti-Künstlerin.
Der siebenjährige Sohn – ebenfalls schon am Mikrofon, mit einer Stimme voller Mut und Rhythmus.
Alle drei performten in ihrem kleinen Haus.
Talent, Wärme, Gastfreundschaft.
Eine Familie voller Herz.
Und unweigerlich drängte sich der Gedanke auf:
Wären diese Menschen in einem wohlhabenden Viertel geboren, ihre Chancen stünden ihnen offen wie ein weiter Himmel.
Doch hier – wo bewaffnete Zwölfjährige Erwachsene ausrauben – ist der Weg nach oben steil, brüchig und oft versperrt.
Ich habe lange mit den Bewohnern gesprochen.
Niemand lebt hier freiwillig.
Doch Möglichkeiten sind rar.
Bildung schwer erreichbar.
Der soziale Aufstieg ein Kampf gegen Wind und Schatten.
Und dennoch:
Am Horizont glimmt Hoffnung.
Die Älteren erzählten mir vom früheren Grauen.
Von einer Zeit, in der Gewalt allgegenwärtig war.
Heute – so sagen sie – ist vieles besser geworden.
In den letzten Jahrzehnten entstanden Schulen, Krankenhäuser, Infrastruktur.
Wasser. Strom. Perspektiven.
Soziale Projekte haben Bildung gefördert und Kriminalität zurückgedrängt.
Das Land bewegt sich – langsam, aber spürbar – in eine hellere Richtung.
Ich hoffe von Herzen, dass die Kinder dieser Künstlerfamilie ein anderes Leben führen werden als ihre Eltern und Großeltern.
Ein Leben mit Chancen statt Grenzen.
Heute brauchte ich noch bewaffneten Schutz, um diesen Ort wieder verlassen zu können.
Doch vielleicht wird das eines Tages nicht mehr nötig sein.
Denn eines ist klar:
Bildung ist der Schlüssel.
Sie öffnet Türen, wo heute Mauern stehen.
Dazu kommen medizinische Versorgung, Infrastruktur, Arbeitsplätze – echte Alternativen zu einem Leben in Kriminalität. Und dies beginnt immer mit sozialer Gerechtigkeit und der Bekämpfung des Raubtierkapitalismus.
Und ebenso: der weitere Kampf gegen Korruption und Drogenkartelle.
Wenn dieser Weg konsequent weitergegangen wird, sehe ich eine hoffnungsvolle Zukunft für ein Volk, das schon jetzt bemerkenswert freundlich, respektvoll und warmherzig ist.
Die Kriminellen sind nicht das Land.
Sie sind ein winziger Teil davon.
Der wahre Charakter dieses Volkes ist Menschlichkeit.
Und Hoffnung.





















