Afrika, du fehlst mir schon, bevor ich dich verlasse

Benny Rebel ist am Fotografieren auf einer Fotosafari auf einem Boot

Über die Sehnsucht nach einer Wildnis, die langsam verschwindet.

Heute fliege ich nach Südafrika. Mein Herz ist voller Vorfreude auf die Abenteuer, Begegnungen und fotografischen Augenblicke, die vor uns liegen. Und doch reist eine leise Melancholie mit mir. Denn ich weiß bereits jetzt, dass meine nächste Fotosafari nach Afrika erst im Juni 2027 stattfinden wird.

Es ist ein seltsames Gefühl, einen Ort zu vermissen, bevor man ihn überhaupt wieder betreten hat.

Ich weiß, dass ich mich nach dem nächtlichen Gesang der Löwen sehnen werde. Nach dem unheimlich schönen Lachen der Hyänen, das durch die Dunkelheit wandert. Nach der flirrenden Hitze, dem roten Staub, dem Duft der Erde und jenem unbeschreiblichen Gefühl, mitten in einer Welt zu stehen, die den Menschen nicht braucht, um vollkommen zu sein.

Vielleicht ist genau das die größte Magie Afrikas: Dort erinnert uns die Natur daran, dass wir nicht der Mittelpunkt der Schöpfung sind, sondern lediglich ihre vorübergehenden Gäste.

Ich habe mich oft gefragt, warum ich ausgerechnet Afrika so sehr liebe.

Die Wildnis dieser Erde hat unzählige Gesichter. Sie atmet in den Regenwäldern Borneos, schläft unter den Wolken Ecuadors, tanzt auf den vulkanischen Inseln von Galápagos und schleicht auf leisen Pfoten durch die Dschungel Indiens.

Und doch schlägt irgendwo tief in meiner Seele eine afrikanische Trommel.

Vielleicht liegt es daran, dass dort vor ungefähr 30 Jahren meine berufliche Reise begann. Fünfzehn Jahre lang habe ich ausschließlich Fotosafaris nach Afrika organisiert. Ich habe dort an Fernsehproduktionen mitgewirkt, Freundschaften fürs Leben geschlossen, mit Menschen gesungen, getanzt, gelacht und Abenteuer erlebt, die in keinem Reiseführer stehen.

Afrika war für mich nie nur ein Reiseziel.

Afrika war mein Klassenzimmer, mein Abenteuerspielplatz, meine Universität des Lebens. Dort habe ich gelernt, Geduld zu haben, Stille zu verstehen und das Unvorhersehbare zu lieben.

Ich durfte unfassbar intensive, erfolgreiche und glückliche Jahre in seiner Wildnis verbringen.

Manche Orte besucht man. Andere Orte besuchen uns ein Leben lang – in unseren Erinnerungen, unseren Träumen und in den stillen Stunden unserer Sehnsucht.

Dann veränderte sich die Welt.

Ebola, später Corona und zahlreiche andere Umstände zwangen mich, neue Wege zu suchen und meinen fotografischen Horizont zu erweitern.

Was damals wie ein schmerzlicher Abschied von einer vertrauten Welt erschien, entpuppte sich im Rückblick als wunderbares Geschenk.

Ich entdeckte andere Paradiese. Andere Landschaften. Andere Tiere. Andere Formen von Schönheit.

Und ich begriff etwas Entscheidendes:

Die Wildnis besitzt keine Nationalität. Ihre Schönheit kennt keine Grenzen. Und die Ehrfurcht vor dem Leben spricht überall dieselbe Sprache.

Heute empfinde ich beim Fotografieren eines verspielten Orang-Utan-Babys auf Borneo mindestens genauso viel Freude wie beim Anblick eines Löwenbabys in der afrikanischen Savanne.

Ein Jaguar im Amazonas, ein Tiger in Indien oder ein neugieriger Seelöwe auf Galápagos können mein Herz ebenso zum Leuchten bringen wie ein Elefant im goldenen Abendlicht Afrikas.

Doch während ich neue Paradiese entdeckte, veränderte sich auch meine alte Liebe.

Afrika ist heute vielerorts nicht mehr das Afrika, das ich vor 30 Jahren kennenlernen durfte.

In manchen berühmten Nationalparks, beispielsweise in der Masai Mara, drängen sich inzwischen so viele Safarifahrzeuge um einzelne Tiere, dass ich mich manchmal frage, wer hier eigentlich wen beobachtet.

Wo früher die Stille herrschte, hört man heute Motoren. Wo einst das Gefühl grenzenloser Freiheit lebte, stehen heute gelegentlich mehr Geländewagen als Gnus und Zebras.

Und irgendwo zwischen all den Fahrzeugen geht etwas verloren, das sich mit keinem Geld der Welt zurückkaufen lässt:

Das Gefühl, allein mit der Schöpfung zu sein.

Ich möchte die Wildnis nicht wie eine Sehenswürdigkeit besichtigen. Ich möchte sie spüren, riechen, hören und erleben. Ich möchte warten dürfen, ohne dass hinter mir zehn andere Fahrzeuge auf ihren fotografischen Augenblick drängen.

Ich möchte die Freiheit haben, auch einmal stundenlang nichts zu fotografieren, weil gerade das Nichtstun die schönste Begegnung mit der Natur sein kann.

Denn die wertvollsten Augenblicke einer Fotosafari entstehen nicht unbedingt dann, wenn der Auslöser klickt.

Manchmal entstehen sie, wenn man die Kamera senkt und einfach nur staunt.

Zum Glück gibt es dieses ursprüngliche Afrika noch.

In abgelegenen Wildnisgebieten, ausgewählten privaten Reservaten und streng begrenzten Safari-Konzessionen, in denen nur wenige Besucher unterwegs sein dürfen.

Dort kann es geschehen, dass man einen ganzen Tag lang keinem anderen Fahrzeug begegnet. Dass man einem Löwenrudel in aller Ruhe beim Erwachen zuschaut. Dass man nachts unter einem unvorstellbar großen Sternenhimmel sitzt und die Stimmen der Wildnis hört.

Dort ist Afrika noch immer jenes überwältigende Wunder, in das ich mich vor drei Jahrzehnten verliebt habe.

Genau solche Orte möchte ich künftig mit meinen Gästen besuchen.

Meine nächste Fotoreise nach Sambia im Juni 2027 ist ein Beispiel dafür. Sie führt uns in eine außergewöhnlich wilde, einsame und fotografisch faszinierende Welt, in der Naturerlebnisse noch Raum, Zeit und Tiefe besitzen.

Solche Reisen sind leider hochpreisig. Abgeschiedenheit, begrenzte Besucherzahlen, exklusive Zugänge und aufwendige Organisation haben ihren Preis.

Aber ich bin überzeugt:

Wahre Exklusivität bedeutet nicht goldene Wasserhähne oder Champagner im Swimmingpool. Wahre Exklusivität bedeutet, einen Sonnenaufgang mit tausend Zebras teilen zu dürfen – und mit keinem einzigen anderen Touristen.

In den kommenden Jahren werde ich weiterhin nach solchen außergewöhnlichen Orten suchen. Ich möchte Afrika treu bleiben, aber nicht um jeden Preis.

Denn ich möchte meinen Gästen keine Fotosafari anbieten, bei der die Zahl der Autos die Zahl der Wildtiere übertrifft.

Und ich möchte nicht zulassen, dass aus der Wildnis, die mich einst das Staunen lehrte, eine überfüllte Freiluftkulisse wird.

Vielleicht gehört es zum Älterwerden, dass man begreift, wie kostbar nicht nur die Schönheit, sondern auch die Unberührtheit dieser Welt ist.

Vielleicht lernt man mit den Jahren, dass nicht alles, was erreichbar geworden ist, dadurch auch gewonnen hat.

Und vielleicht besteht die größte Verantwortung eines Menschen, der die Natur liebt, darin, nicht nur ihre Wunder zu zeigen, sondern auch ihre Verletzlichkeit sichtbar zu machen.

Ein Teil meines Herzens wird für immer afrikanisch bleiben.

Er wird mit den Elefanten durch den roten Staub wandern, mit den Löwen in der Nacht singen und mit den Hyänen über die Dunkelheit lachen.

Doch der andere Teil meines Herzens ist längst weitergereist.

Er sitzt mit den Orang-Utans in den Baumkronen Borneos, folgt den Spuren der Tiger durch Indien und lauscht dem geheimnisvollen Atem des Amazonas.

Und dafür bin ich unendlich dankbar.

Denn ich habe etwas Wunderbares gelernt:

Man muss seiner ersten großen Liebe nicht untreu werden, um sich auch in andere Schönheiten dieser Welt verlieben zu dürfen.

Heute fliege ich wieder nach Afrika.

Mit offenen Augen, einer Kamera voller Möglichkeiten und einem Herzen voller Erinnerungen.

Und wenn ich nachts irgendwo in der Wildnis liege und in der Ferne ein Löwe brüllt, werde ich wahrscheinlich lächeln.

Weil ich weiß, dass manche Stimmen niemals verstummen.

Nicht einmal dann, wenn man Tausende Kilometer von ihnen entfernt ist.

Afrika, du bist nicht nur ein Ort auf dieser Erde. Du bist ein Ort in meiner Seele.

Und dort wirst du immer wild bleiben.

Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.

www.benny-rebel.com

Aktuelle Nachrichten

Darf ich vorstellen? Das ist Giovanni – mein neuer Sicherheitschef!

Ein Gorilla zieht nach Hannover, wilde Tiger warten in Südafrika und Galápagos ruft nach neuen...

Wenn 300 Kilo Gelassenheit durchs Paradies spazieren

Riesenschildkröten auf Galápagos – Begegnungen aus einer anderen Zeit Auf den Galápagos-Inseln begegnet man Lebewesen,...

Wenn ein kleiner Drache auf einem großen Drachen reitet – Fotoreise nach Ecuador und Galápagos

Manchmal braucht die Natur keine Inszenierung. Sie schreibt ihre Geschichten selbst Diese Szene habe ich...

Fotosafari Newsletter

Melden Sie sich jetzt an und erhalten Sie exklusive Updates zu Fotoreisen, Safaris und Projekten von Benny Rebel – direkt in Ihr Postfach!