
Mitziehen statt Einfrieren – wenn Bewegung zur Fotokunst wird
In alten afrikanischen Geschichten ist der Schakal selten der Stärkste der Savanne. Er besitzt weder die Kraft des Löwen noch die Größe des Elefanten. Seine Stärke liegt woanders: in seiner Wachsamkeit, seiner Schnelligkeit und darin, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.
Heute im Ngorongoro-Krater musste ich daran denken.
Dieser Schakal war auf Beutesuche unterwegs und bewegte sich zügig durch die Landschaft. Statt ihn mit einer kurzen Verschlusszeit einzufrieren, entschied ich mich für eine meiner liebsten fotografischen Techniken: den Mitzieher.
Dabei folgt die Kamera während der Belichtung möglichst exakt der Bewegung des Tieres. Durch eine längere Verschlusszeit verschwimmt der Hintergrund zu fließenden Linien, während das Tier möglichst scharf bleibt.
Das klingt einfacher, als es ist.
Die Kamera muss sich möglichst gleichmäßig mit Geschwindigkeit und Richtung des Tieres bewegen. Gelingt das, entsteht etwas Besonderes: Der Hintergrund wird zur Malerei, die Landschaft beginnt zu fließen und der Schakal scheint durch Raum und Zeit zu laufen.
Vier solcher Mitzieher zeige ich Euch heute.
Genau deshalb liebe ich das Fotografieren auf Reisen. Eine Fotosafari bedeutet für mich nicht nur, Tiere möglichst scharf zu dokumentieren. Fotografie darf experimentieren, interpretieren und aus einem kurzen Augenblick ein kleines Kunstwerk erschaffen.
Vielleicht hätte der listige Schakal aus den alten afrikanischen Geschichten darüber nur gelächelt.
Denn während wir Fotografen noch über Verschlusszeiten nachdenken, ist er längst weitergezogen.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.



