
Manchmal braucht es keinen großen Auftritt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen
Kein brüllendes Krokodil.
Kein Känguru im goldenen Abendlicht.
Keinen Adler, der majestätisch über den Fluss gleitet.
Manchmal reicht ein winziger Vogel.
Heute Morgen saß er dort – klein, still und beinahe unscheinbar auf einem Ast über dem Yellow Water River im Kakadu Nationalpark. Während unser Boot langsam über das Wasser glitt, entdeckten wir diesen kleinen Eisvogel.
Und plötzlich war alles andere für einen Moment unwichtig.
Dieser winzige Kerl ist ein Zwergfischer, der kleinste Eisvogel Australiens. Gerade einmal etwa 11 Zentimeter misst er. Ein Federgewicht mit einem langen Schnabel, leuchtend blauem Gefieder und einer weißen Brust. Ein Vogel, den man leicht übersehen könnte – wenn man nicht gelernt hat, genau hinzuschauen.
Und vielleicht ist genau das seine besondere Botschaft.
Ein kleiner Vogel mit großer Wirkung
Die vergangenen drei Wochen in Australien waren voller großer Begegnungen.
Wir haben Kängurus fotografiert, Wallabys beobachtet, Seelöwen erlebt, unzählige Vögel entdeckt und Landschaften gesehen, deren Weite sich kaum in Worte fassen lässt.
Wir waren auf Kangaroo Island und Tasmanien unterwegs, haben Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge erlebt und haben tausende Male auf den Auslöser gedrückt.
Gestern und heute waren wir jeweils auf dem Yellow Water River unterwegs – einmal im ersten Licht des Tages und einmal, wenn die Sonne langsam hinter der tropischen Landschaft verschwand.
Zwei Fahrten durch eine Welt aus Wasser, Spiegelungen, Nebel, Vögeln, Krokodilen und unzähligen kleinen Geschichten.
Und dann kam dieser selten zu sehender winzige Eisvogel.
Er saß einfach da.
Still.
Fast ein wenig verloren zwischen all der gewaltigen Natur.
Aber vielleicht war gerade das der Grund, warum ich ihn so besonders empfunden habe.
Der kleinste Eisvogel Australiens
Der Little Kingfisher gehört zu den kleinsten Eisvögeln überhaupt und ist Australiens kleinster Vertreter dieser faszinierenden Vogelfamilie.
Mit seinen gerade einmal 11 Zentimetern Körperlänge wirkt er fast zerbrechlich. Doch hinter dieser winzigen Erscheinung steckt ein perfekter Jäger.
Er lebt bevorzugt an ruhigen Gewässern, in schattigen Flussläufen, Mangroven und anderen dicht bewachsenen Feuchtgebieten im Norden Australiens. Seine geringe Größe und seine zurückhaltende Lebensweise machen ihn allerdings zu einem schwierigen Fotomotiv. Man findet ihn einfach äußerst selten.
Man muss aufmerksam sein.
Sehr aufmerksam.
Und manchmal braucht man zusätzlich eine Portion Glück.
Heute hatte ich dieses Glück.
Wir waren mit dem fahrenden Boot unterwegs, als wir ihn entdeckten. Keine perfekte Studiobedingung. Kein sorgfältig vorbereitetes Ansitzen. Kein bequemes Stativ und kein minutenlanges Warten auf den richtigen Moment.
Nur ein vorbeiziehender Ast, ein kleiner blauer Vogel und ein Fotograf mit einer Kamera in der Hand.
Ein paar Sekunden.
Mehr braucht es manchmal nicht.
Das Leise bleibt
In den vergangenen Wochen habe ich viele spektakuläre Tiere fotografiert.
Tiere, bei denen man automatisch stehen bleibt.
Tiere, die groß, wild oder außergewöhnlich sind.
Aber dieser kleine Eisvogel hat mich auf eine andere Weise berührt.
Vielleicht, weil er so still war.
Vielleicht, weil er unscheinbar klein wirkte.
Oder vielleicht auch deshalb, weil unsere Reise nun fast zu Ende ist.
Morgen verlassen wir Australien.
Über Singapur geht es zurück nach Deutschland.
Und während ich diese Zeilen schreibe, merke ich, dass Abschiede immer etwas Merkwürdiges haben.
Man weiß während einer Reise selten, welches Erlebnis später im Gedächtnis bleiben wird.
Man kann sich vornehmen, den perfekten Sonnenuntergang zu fotografieren.
Man kann auf ein bestimmtes Tier hoffen.
Man kann stundenlang warten.
Und dann kommt plötzlich etwas völlig anderes.
Ein kleiner Vogel.
Ein kurzer Moment.
Ein Blick.
Ein Bild.
Und genau dieser Moment bleibt.
Danke, Australien
Australien, du hast uns in den vergangenen drei Wochen unglaublich viele solcher Momente geschenkt.
Du hast uns deine Landschaften gezeigt.
Deine Weite.
Deine Stille.
Deine manchmal etwas verrückte Tierwelt.
Und natürlich auch deine Australier – Menschen, die uns unterwegs immer wieder mit ihrer offenen, unkomplizierten, freundlichen und herzlichen Art begegnet sind.
Dafür möchte ich Danke sagen.
Danke an alle Menschen, die uns auf dieser Reise begleitet und unterstützt haben.
Danke an unsere Gastgeber, Guides und Fahrer.
Danke an die Menschen, die dafür gesorgt haben, dass wir dort fotografieren konnten, wo andere vielleicht einfach vorbeifahren.
Und ganz besonders danke ich meinen Freunden, meinen Fotoreiseteilnehmern und all den Menschen, die meine Reisen verfolgen und meine Bilder anschauen.
Ihr seid ein Teil dieser Geschichten.
Denn eine Fotoreise endet nicht mit dem letzten Klick der Kamera.
Sie lebt weiter – in den Bildern, in den Erinnerungen und in den Geschichten, die wir später miteinander teilen.
Und vielleicht ist das die schönste Art, Abschied zu nehmen
Nicht mit einem großen Knall.
Sondern leise.
Mit einem kleinen blauen Vogel auf einem Ast.
Während unter ihm das Wasser des Yellow Water River vorbeizieht.
Während irgendwo im Schilf ein Vogel ruft.
Während das Boot langsam weiterfährt.
Und während ich weiß:
Australien ist nicht wirklich vorbei.
Denn ein Teil dieser Reise wird mit uns nach Deutschland fliegen.
In mehr als zehntausenden Bildern.
In unseren Erinnerungen.
In unseren Geschichten.
Und vielleicht auch in diesem kleinen Eisvogel, der heute Morgen für einen kurzen Moment vor meiner Kamera saß.
Der kleinste Eisvogel Australiens.
Ein winziger König.
Und für mich heute der perfekte König unseres Abschieds.
Australien, danke für drei Wochen voller Wunder.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.
