
Wer glaubt, nur Menschenkinder hätten Unsinn im Kopf, war noch nie im Kindergarten der neuseeländischen Seebären auf Kangaroo Island.
Heute durften wir genau diesen Kindergarten besuchen.
Eine geschützte Bucht dient den jungen Seebären als sicherer Spielplatz. Hier lernen sie schwimmen, tauchen, miteinander umgehen und vermutlich auch jede Menge Unsinn anzustellen. Und wir hatten das große Vergnügen, ihnen dabei zuzusehen.
Schon nach wenigen Minuten war klar: Diese kleinen Seebären haben Humor.
Immer wieder tauchten sie zum Meeresgrund hinab, kamen mit einem großen Meeresschwamm im Maul wieder nach oben und begannen damit zu spielen. Der Schwamm wurde in die Luft geschleudert, durchs Wasser katapultiert oder einem anderen Jungtier vor die Nase geworfen. Kaum war das „Spielzeug“ davongeschwebt, jagten alle hinterher, schnappten es sich und das Spiel begann von vorn.
Es erinnerte uns an eine Mischung aus Kindergeburtstag, Wasserballturnier und einer Horde junger Hunde, die sich begeistert um einen einzigen Stock streiten.
Der Unterschied?
Diese Kinder tragen Schnurrhaare, haben Flossen und leben im Meer.
Wir standen an einem hohen Ufer, beobachteten das Spektakel und mussten immer wieder lachen. Eigentlich wollten wir fotografieren. Doch manchmal vergaßen wir sogar den Auslöser, weil wir einfach nur zuschauen mussten.
Es sind genau diese Augenblicke, die man auf keiner Wunschliste für eine Fotosafari planen kann. Niemand sagt einem morgens: „Heute werdet ihr Seebären beim Ballspielen mit Meeresschwämmen beobachten.“
Die Natur überrascht uns immer wieder mit ihrer Fantasie.
Je länger wir die Jungtiere beobachteten, desto deutlicher wurde, wie ähnlich sich viele Lebewesen sind. Spielen ist kein Luxus. Es ist Lernen. Es ist Neugier. Es ist Lebensfreude.
Ganz gleich, ob ein Kind im Sandkasten sitzt, ein Welpe einem Stock hinterherjagt oder ein junger Seebär mit einem Meeresschwamm durchs Wasser wirbelt – überall sieht man dieselbe unbändige Freude am Entdecken.
Für uns war dieser Besuch einer der fröhlichsten Momente unserer Australienreise.
Wir sind mit vollen Speicherkarten zurückgekommen.
Und mit Lachmuskeln, die mindestens genauso beansprucht wurden.
Manchmal schreibt die Natur eben die schönsten Komödien – und verlangt keinen Eintritt.


