
Patrizia von Thurn und Tempel – die ungekrönte Königin des Hippo-Pools
Heute Morgen stand auf unserer Fotoreise ein kleiner Photo-Workshop auf dem Programm. Noch mit dem ersten Licht fuhren wir zu einem Hippo-Pool, zu dem nach ihrer nächtlichen Futtersuche Hunderte Flusspferde zurückkehren.
Ich erklärte unseren Fotografen, wo wir uns positionieren, worauf wir beim Licht achten und welche Situationen besonders spannend werden könnten. Dann hieß es: Kameras bereit und warten.
Nach und nach trafen die ersten Flusspferde ein. Doch dann wurde es plötzlich still.
Denn SIE erschien.
Patrizia von Thurn und Tempel.
Drei Tonnen geballte Weiblichkeit. Eine Erscheinung. Eine Grazie. Eine Gazelle im Körper eines Kleinwagens.
Patrizia stand oben an der Böschung und blickte hinunter, als wolle sie sagen: „Meine Herren, bitte bewahren Sie Haltung. Ich weiß selbst, wie umwerfend ich aussehe.“
Dann setzte sie sich in Bewegung.
Geschmeidig wie eine Elfe – eine sehr, sehr schwere Elfe – schwebte sie die Böschung hinunter. Bei jedem Schritt bebte vermutlich irgendwo in Ostafrika noch eine Kaffeetasse.
Am Wasser angekommen, folgte der große Auftritt: Platsch!
Patrizia glitt mit der Eleganz eines fallengelassenen Konzertflügels ins Wasser.
Natürlich gehört zu einem standesgemäßen Auftritt auch die Präsentation der körperlichen Vorzüge. Und in der Welt der Flusspferde bedeutet das offenbar: Mund auf und zeigen, was man hat!
Also öffnete Patrizia ihren Mund so weit, dass wir kurz überlegten, ob darin noch ein weiteres Flusspferd wohnt.
Zähne gezeigt. Rachen präsentiert. Schönheit bewiesen.
Die anderen Hippos antworteten mit ehrfürchtigem Grunzen.
Der Adel war angekommen.
Und unsere Kameras hatten Logenplätze.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.


