Donald, der Schönheitsverweigerer und das Missverständnis der Natur

Wie ein nächtlicher Wald uns seinen schrägsten Star präsentierte

Es gibt auf einer Fotosafari jene seltenen Augenblicke, in denen die Natur ihre strengsten Gesetze außer Kraft setzt und stattdessen ein schelmisches Grinsen zeigt. Und gestern Nacht, tief im Osten Madagaskars, trat ein solcher Moment aus der Dunkelheit hervor – in Gestalt eines Wesens, das uns zugleich zum Schmunzeln und Staunen brachte. Sein Name: Donald.

Donald wirkt, als hätte er den Moment seiner eigenen Erschaffung ein wenig verpasst. Während Eleganz und Schönheit großzügig verteilt wurden, lag er offenbar noch im sanften Schlaf des Urwalds. Und als er schließlich erwachte, lagen für ihn nur ungewöhnliche Reste bereit: ein überlanges, tastendes Werkzeug als Mittelfinger, ein Hauch Fledermaus, ein Schatten von Kobold und der Charme eines unfertigen Gedankens an einem verkarterten Tag. Doch genau darin liegt sein unwiderstehlicher Reiz.

Gestern standen meine Fotografen und ich in der nächtlichen Stille des Waldes, als Donald erschien – vorsichtig, neugierig und voller Charakter. Er betrachtete uns mit jenen faszinierenden Augen, die so wirken, als könnten sie das Dunkel durchdringen und gleichzeitig ein Geheimnis hüten. Wir spielten ein wenig mit dem Licht meiner Taschenlampe, formten sanfte Konturen, nahmen die Kanten aus seinem ungewöhnlichen Antlitz und ließen die Kamera jene versteckte Schönheit finden, die der Mensch im ersten Moment übersehen könnte.

So entstanden zahlreiche Bilder – ehrlich, zart, humorvoll und getragen von jener Magie, die nur ein nächtlicher Wald auf Madagaskar hervorbringen kann.

Unsere Fotosafari ist ein fortlaufendes Fest der Begegnungen: Chamäleons, die mit Farben sprechen. Lemuren, deren Stimmen wie ferne Gesänge klingen. Winzige Frösche, die wie lebendige Edelsteine an Blättern ruhen. Und nun Donald, der stille, zerzauste Poet des Dunkels, der uns daran erinnert, dass die Natur nicht immer Perfektion erschafft. Manchmal erschafft sie Donalds und dies nicht nur in Madagaskar.

Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen!

www.bennyrebel.com

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