
Warum Wissen manchmal überbewertet ist
Gestern in der Wildnis Costa Ricas begegnete ich einer Hummel, die offenbar einen sehr lockeren Umgang mit den Gesetzen der Physik pflegte. Hastig flog sie von Blüte zu Blüte, zielstrebig, konzentriert und vollkommen unbeeindruckt von der Tatsache, dass ihre Flügel eigentlich viel zu klein sind, um diesen dicken, schweren Körper überhaupt in die Luft zu bekommen.
Theoretisch ist das unmöglich. Physikalisch gesehen dürfte eine Hummel nicht fliegen. Praktisch gesehen tat sie es trotzdem – und zwar mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit. Offenbar hatte sie nie ein Physikbuch gelesen. Ein großes Glück für sie. Denn hätte sie gewusst, was alles gegen sie spricht, wäre sie vermutlich am Boden geblieben und hätte an ihrer Karriere als fliegendes Wunder gezweifelt.
Ich lag währenddessen rücklings im Gras, blickte in den Himmel und versuchte mit langer Brennweite, ihre Flugmanöver fotografisch einzufangen. Keine leichte Aufgabe – weder für die Hummel noch für mich. Sie flog, weil sie es konnte. Ich fotografierte, weil ich es versuchte.
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen der Natur: Wer nicht ständig darüber nachdenkt, was angeblich unmöglich ist, kommt manchmal erstaunlich weit. Sogar in die Luft.
Hier zeige ich euch einige Bilder dieser Begegnung zwischen Hummel, Kamera und einem Fotografen am Boden.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen!


