
Gertrudis, die dicke Göttin der Haltbarkeit – bitte anfassen für mehr Lebenszeit.
Heute bin ich mit dem Fahrrad durch die Altstadt von Cartagena gerollt. Koloniale Fassaden, tropische Hitze, Kopfsteinpflaster – und ein Guide, der mir neben Geschichte und Kultur auch die wohl effizienteste Methode zur Lebensverlängerung zeigte.
Keine Diät.
Kein Yoga.
Keine grünen Smoothies.
Sondern: Bronze-Busen anfassen.
Auf der Plaza Santo Domingo liegt sie – üppig, selbstbewusst und völlig unbeeindruckt vom täglichen Andrang. La Gorda Gertrudis (die Dicke Gertrudis) – eine Bronzefigur, die 1992 von Fernando Botero, dem Meister der charmanten Übertreibung, der Stadt geschenkt wurde.
Was als Kunstwerk begann, wurde zum Volksritual und Heiligtum. Täglich strömen Hunderte herbei, berühren ihre Brüste und ihre Hände – in der festen Überzeugung, dadurch ein längeres Leben zu erhalten.
Man muss es den Menschen lassen: Kreativität haben sie.
Während andere Länder Milliarden in medizinische Forschung investieren, setzt Cartagena auf polierte Bronze-Busen. Und wenn ich ehrlich bin – der Glanz dieser Skulptur an den Busen der Gertrudis beweist, dass hier mit Hingabe angefasst wird. ![]()
Mein Guide erklärte mir das Ritual mit ernster Miene. Ich nickte ebenfalls ernst. Innerlich stellte ich mir jedoch vor, wie Botero irgendwo im Himmel der Künstler schmunzelt.
Die Szene ist köstlich: Touristen mit andächtigem Gesichtsausdruck, fast feierlich die Brüste der Bronzefigur berühren. Als würde man einen geheimen Hebel im Kosmos bedienen.
Natürlich verlängert Bronze kein Leben. Aber sie verlängert Gespräche. Sie verlängert Lacher. Und sie zeigt, wie wunderbar erfinderisch wir Menschen sind, wenn es um die Angst vor dem Ende geht.
Gertrudis liegt da – gelassen, würdevoll und vermutlich die meistberührte Dame der Stadt.
Vielleicht ist sie am Ende gar kein Mythos, sondern ein Spiegel: Wir wollen hoffen. Wir wollen glauben. Und wenn es nur ein kleines Ritual ist, das uns für einen Moment das Gefühl gibt, dem Leben ein paar Bonusjahre abzuringen.
Und seien wir ehrlich – wäre das mit dem ewigen Leben wirklich so simpel,
dann hätte ich heute definitiv mehr Zeit auf der Plaza verbracht:
mit einem eiskalten Cocktail in der Hand,
Salsa im Ohr und zwei linken Füße im Dauereinsatz auf dem Tanzpflaster. Stattdessen streife ich durch Kolumbien –
auf der Suche nach Geschichten, Gesichtern und Gefühlen.
Ich tauche ein in das Leben der Menschen, ihre Kultur, ihre Geschichte, ihre Wege –
und in die pulsierende Kunstszene dieses wunderbaren Landes.
Und bevor jemand fragt:
Alle Bilder, die ich aus Kolumbien poste, sind spontane Handyaufnahmen.
Keine große Kamera. Kein perfektes Licht.
Nur Momentaufnahmen des echten Lebens –
ehrlich, roh und genau so gedacht: als kleine visuelle Notizen meiner Philo-Safari.
Das Leben ist schön und das Leben ist das, was wir daraus machen.