
Wenn der Regenwald die Nacht eröffnet – Unterwegs im Amazonas Ecuadors
Es gibt Orte, die zeigen ihr wahres Gesicht erst, wenn das Licht verschwindet. Der ecuadorianische Amazonas ist so ein Ort. Seit einigen Tagen sind wir hier im Regenwald auf unserer Fotosafari unterwegs – mit unseren Kanus und zu Fuß, mit wachen Augen am Wegesrand und Kameras, die mehr sammeln als nur Bilder. Tagsüber begegnen wir den üblichen Verdächtigen des Dschungels. Doch nachts beginnt die eigentliche Expedition.
Mit Taschenlampen bewaffnet tauchen wir ein in eine Welt, die sich dem schnellen Blick entzieht. Jeder Schritt ist achtsam. Jeder Lichtkegel eine Einladung. Heuschrecken sitzen wie grüne Skulpturen im Blattwerk. Stabschrecken stehen regungslos da, als hätten sie beschlossen, endgültig zur Pflanze zu werden. Zwischen feuchten Blättern entdecken wir Reptilien und Amphibien – darunter den geheimnisvollen Amazonen-Salamander, dessen feuchte Haut im Schein der Lampe schimmert wie poliertes Holz.
Und dann die Spinnen: Taranteln, mächtig und doch erstaunlich gelassen. Vogelspinnen, deren Beine sich langsam und würdevoll bewegen, als wüssten sie um ihre Wirkung auf uns Zweibeiner. Unterschiedlichste Frösche – klein, groß, bunt, perfekt getarnt – geben ihr nächtliches Konzert. Was diese Exkursionen so besonders macht, ist nicht nur das Motiv vor der Linse.
Es ist die Atmosphäre. Das unermüdliche Zirpen der Grillen und das Rascheln aus der Dunkelheit lassen einen spüren, dass man hier nur Gast ist – willkommen, aber beobachtet.
Auf dieser Fotoreise entstehen Bilder, die auf klassischen Safaris kaum möglich sind. In diesem Beitrag zeige ich euch ausschließlich Aufnahmen aus den letzten drei Nächten. Morgen verlassen wir den Regenwald und fliegen weiter zu den Galapagos-Inseln. Ein völlig anderes Kapitel der Naturgeschichte wartet dort auf uns – von Lava, Leguanen und der Poesie des Pazifiks.
Ab dann werde ich von dort berichten.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.












