Zwischen Maismehl-Massaker und karibischer Lebensfreude

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Philo-Safari im Rasierschaum: Wenn Barranquilla komplett durchdreht

Ich wollte nur „mal kurz“ schauen, wie sich der Karneval in Barranquilla anfühlt. Fünf Minuten später war ich paniert wie ein Schnitzel und eingeschäumt wie ein übermotivierter Bräutigam am Junggesellenabschied.

Hier wird nicht gekleckert – hier wird gesprüht. Rasierschaum zischt aus gigantischen Dosen in den Himmel, Maismehl rieselt auf Köpfe, Schultern und Würde. Fremde Menschen lachen Dich an, drücken Dir eine Dose in die Hand – und zack, bist Du Mittäter.

Die Kleinhändler verkaufen Snacks mit der Gelassenheit von Zen-Meistern, während neben ihnen die Sicherheitskräfte tanzen, als hätten sie heimlich Salsa-Unterricht genommen. Jeder kennt die Lieder. Wirklich jeder. Selbst die Großmutter neben mir singt lauter als die Lautsprecheranlage.

Im Vergleich zu Trinidad und Tobago sieht man hier weniger internationale Gäste. Vielleicht, weil Barranquilla neben Tanz auch Taschendiebe exportfähig gemacht hat. Sie besitzen eine fast spirituelle Begabung: Sie spüren ausländische Geldscheine durch drei Hosentaschen hindurch. Zack – Handy weg. Puff – Uhr weg. Eine Art unfreiwillige Spende an die Parallelökonomie.

Die Einheimischen nehmen es pragmatisch: nur kleines Geld einstecken, keine Wertsachen, keine Dramen. Wenn etwas verschwindet, verschwindet eben nur ein kleiner Betrag – nicht die gute Laune. Und genau das ist die eigentliche Sensation: Die Freude bleibt.

In einem Land mit gewaltigen sozialen Gegensätzen wirkt der Karneval wie ein kollektiver Trotzakt gegen die Schwere des Alltags. Und ich habe auf meinen Fotoreisen und Fotosafaris immer wieder erlebt: Während reiche Gesellschaften ihre Leichtigkeit vergeblich suchen, feiern ärmere Gesellschaften sie einfach auf der Straße. Nicht aus Naivität. Sondern weil sie wissen, dass Freude nicht käuflich ist.

Hier tanzt man, weil man lebt. Und man lebt, weil man tanzt.

Ich bleibe bis zur letzten Trommel, wippe, singe falsch und grinse breit. Danach noch eine Fahrradtour durch Barranquilla, bevor ich nach Bogotá zurückfliege – mit Maismehl im Haar und einer Lektion im Herzen:

Das Leben ist kein Tresor. Es ist ein Tanzboden.

Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Reisen!

www.bennyrebel.com

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