Narben der Vergangenheit, Kunst der Zukunft: Eine philosophische Reise durch Cartagena

Diese philosophischen Reisen, die von mir Philo-Safaris genannt werden, helfen mir, die Welt besser zu verstehen. Wir entwickeln unsere Fähigkeiten zum Leben oder zum Überleben je nachdem, in welche soziale Etage wir hineingeboren werden.

Wenn Mauern Geschichten erzählen: Graffiti und Empathie auf meiner Philo-Safari in Kolumbien.

Heute war ich in den geschichtsträchtigen Gassen von Cartagena unterwegs – nicht mit der Kamera im Anschlag auf der Suche nach Wildtieren, sondern auf dem Fahrrad, begleitet von einem privaten Guide. Unser Thema war die stumme, aber doch so laute Sprache der Stadt: die Graffiti-Kunst. Es ist eine Geschichte, die tief in die Seele Kolumbiens blickt und uns viel über den Wandel eines Landes lehrt.

Früher waren die Schriftzüge an den Wänden keine Kunst. Es waren Reviermarkierungen, ähnlich wie Tiere ihr Territorium mit Urin und Kot markieren. Kriminelle Gangs, Kartelle und terroristische Gruppen nutzten die Mauern als Drohgebärde, um Soldaten, Polizisten und Rivalen zu zeigen, wer das Sagen hat. Für den normalen Kolumbianer war Graffiti lange Zeit ein Symbol der Angst und der Gewalt. Doch diese Zeiten wandeln sich. In Städten wie Cartagena lernen die Menschen gerade, Graffiti als das zu sehen, was es heute ist: ein kraftvolles Medium der Ästhetik und des sozialen Gewissens.

Ich habe in den letzten Tagen hunderte, vielleicht tausende dieser Werke gesehen. Hinter der Farbe verbergen sich großartige Künstler, die weit mehr tun, als nur Wände zu verschönern. Sie kommunizieren Schmerz und Hoffnung. Ein riesiges Wandgemälde zeigt die Gesichter junger Frauen mit der Aufschrift: „Wo sind sie?“ – eine verzweifelte Suche nach den spurlos Verschwundenen und eine Mahnung an alle, die Gefahr nicht zu vergessen. Ein anderes Werk ehrt Ana Lusia Munoz, eine einfache Fischverkäuferin, die ihre Familie ernährte und ihr eigenes monumentales Porträt noch kurz vor ihrem Ableben bewundern durfte. Hier wird das Alltägliche heilig gesprochen.

Diese philosophischen Reisen, die von mir Philo-Safaris genannt werden, helfen mir, die Welt besser zu verstehen. Wir entwickeln unsere Fähigkeiten zum Leben oder zum Überleben je nachdem, in welche soziale Etage wir hineingeboren werden. Die meisten Konflikte auf unserer Erde entstehen nur deshalb, weil wir uns nicht in die Lage des anderen versetzen können. Das Betrachten und Verstehen dieser Graffiti-Mauern ist eine Übung in Empathie. Es bricht das Eis der Vorurteile und lässt uns erkennen, dass hinter jeder Fassade ein Mensch mit Wünschen nach Veränderung, Verbesserung und Gerechtigkeit steht. Wer reist, lernt zu verstehen – und wer versteht, sieht die Welt mit anderen Augen.

Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen.

www.benny-rebel.com

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