
Über Schönheit, Notwendigkeit und das Gesetz der Wildnis
Heute durften wir im Urwald viele wunderschöne Vögel fotografieren. Farben, Formen, Bewegungen – ein Fest für die Sinne. Eine Szene blieb besonders haften: Ein außergewöhnlich schöner, bunter Vogel, der Rotschwanz-Glanzvogel heißt, mit einem ebenso schönen und prachtvollen blauen Morphofalter im Schnabel. Ein Moment, der zugleich fasziniert, irritiert und nachdenklich macht.
In der Natur existiert Schönheit nicht getrennt von Rauheit. Beides ist untrennbar miteinander verwoben. Der Vogel frisst den Schmetterling nicht aus Grausamkeit, sondern aus Notwendigkeit. So wie der Löwe die Antilope jagt, um zu überleben. Würde er es nicht tun, würde er verhungern. Schönheit spielt in diesem Gesetz keine Rolle. Moral auch nicht.
Seit Millionen von Jahren funktioniert die Kette des Lebens nach denselben Regeln: fressen oder gefressen werden. Sie braucht keine menschliche Bewertung, kein Mitleid, keine Empörung. Die Natur ist nicht grausam – sie ist konsequent. Und genau darin liegt ihre Ehrlichkeit.
Diese seltenen, dramatischen und zugleich schönen Bilder zeigen nichts Spektakuläres im menschlichen Sinne. Sie zeigen Realität. Und genau deshalb sind sie so wertvoll. Ein stiller Gruß aus der Wildnis Costa Ricas – unverfälscht, echt und frei von unseren Projektionen.
Das Leben ist zu kurz für aufgeschobene Pläne, Ausreden und mittelmäßige Fotoreisen!




