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Die Nashörner und ich

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Bilder und ihre Geschichten

Die Nashörner und ich

Vor mehr als 20 Jahren kam ich in Kontakt mit mehreren Umweltschutzorganisationen und erfuhr so von den vielfältigen Missständen, die durch habgierige Menschen und Firmen verursacht wurden. Sie zerstörten rücksichtlos die Natur und hatten bereits viele Tierarten ausgerottet - andere standen kurz davor.

Als ich anfing mitzuhelfen, diesen Irrsinn zu stoppen, waren gerade besonders Elefanten, Wale und Nashörner bedroht und wir hatten verschiedene Arbeitskreise, die sich durch unterschiedliche Aktionen für den Schutz dieser Tiere einsetzten.

Während dieser Zeit beschäftigte ich mich sehr intensiv mit unterschiedlichen Tierarten, vor allem mit Nashörnern. Sie wurden damals gewildert, um aus ihren Hörnern Dolchgriffe für die reichen Araber im Nahen Osten anzufertigen oder ihre Hörner wurden pulverisiert, um sie für die oft fragwürdige chinesische Medizin einzusetzen. In der traditionellen chinesischen Medizin soll das pulverisierte Horn des Nashorns aphrodisierende Wirkung haben. Mit anderen Worten erhoffen sich viele Chinesen, dadurch sexuell potenter werden. Diese angebliche Wirkung ist übrigens bis heute nirgendwo bewiesen!

Um diese fragwürdigen Produkte herstellen zu können, mussten Tausende von Nashörnern ihr Leben lassen. Sie wurden bis zum Rande der Ausrottung brutal abgeschlachtet. Erst durch schärfere Bestrafung der Täter und eine paramilitärische Überwachung der letzten Nashörner konnte eine vollständige Ausrottung dieser wunderbaren Tiere verhindert werden. Die Tierschützer siegten vorerst und die Anzahl der Nashörner nahm langsam wieder zu.

Jahre später flog ich nach Südafrika, um eine Art Rangerausbildung zu absolvieren. Ich wollte mehr über die Welt der Tiere und die Verhaltensmuster bestimmter Arten lernen. Während dieser Zeit lebte ich mit den Rangern zusammen und durfte rund um die Uhr mit ihnen unterwegs sein und überall mithelfen, wo Hilfe benötigt wurde. Zu dieser Zeit plagte gerade eine Dürreperiode das Reservat, in dem ich als Lehrling unterwegs war und die Manager des Reservates mussten handeln.

Um die wertvollen Nashörner, Elefanten und einige andere Tierarten nicht durch die Dürre zu verlieren, waren wir gezwungen, täglich an den Wasserlöchern tonnenweise Gras abzuladen, welches von anderen grüneren Regionen Südafrikas gekauft und zu uns transportiert worden war. Wir mussten täglich einige Tonnen Gras auf einen großen Pickup laden - dieses Futter zu den Wasserlöchern bringen - dort das Gras abladen - mit einer Mistgabel auflockern - durch einen speziellen Sirup mit Mineralien und Vitaminen anreichern und den Tieren zum Fressen überlassen. Dadurch, dass die Tiere in der Wildnis kaum noch etwas Fressbares finden konnten, warteten sie täglich regelrecht auf unsere Ankunft und stürzten sich auf das Futter, sobald wir ankamen. Oft gaben sie uns kaum die Möglichkeit, das Gras aufzulockern oder mit den Mineralien anreichern zu können. Wenn die Großen hungrig ankamen, mussten wir schnell das Feld räumen, bevor sie uns attackierten.

Für mich war dies eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens, obwohl es extrem gefährlich und körperlich sehr anstrengend war. Mein Kollege, der Ranger oder ich hätten jeden Tag getötet werden können, weil die Dürre die natürliche Angst der Tiere vor Menschen hatte verlieren lassen und die Tiere untereinander eine große Konkurrenz spürten. Es ging ums nackte Überleben und jeder kämpfte um sein Recht, etwas von dem Futter abzubekommen.
Wir waren gezwungen, oft in Distanzen von weniger als 10 Metern zu gefährlichen Tieren wie Büffeln, Nashörnern oder Elefanten zu arbeiten. Dazu mussten wir aus dem Auto raus und die schweren Grasbälle per Hand zu den Wasserlöchern schleppen. Unsere Arbeit fand fast immer unter Beobachtung dieser hungrigen Tiere statt.

Eines Tages sah ich eine Nashornkuh mit ihrem Baby etwa 100 Meter vom Wasserloch entfernt. Sie standen neben einen Akazienschirmbaum und das Muttertier wirkte nicht sonderlich agressiv. Ich sagte meinem Kollegen, dass ich meine Kamera nehmen würde, um diese Tiere aus der Nähe zu fotografieren. Er hatte viel Vertrauen in mich und meinte: "Versuch es mal!".

Ich lief allein und unbewaffnet zu diesem Nashorn und seinem Baby. Eine Nashornkuh mit einem kleinen Kalb ist wie eine tickende Bombe in der Wildnis. Sie würde alles tun, um ihr Baby zu schützen und ihre Toleranzgrenze ist viel kleiner, als wenn sie kein Kind zu verteidigen hätte. Das war mir alles bewusst; dennoch war ich zuversichtlich, mich näher heranpirschen zu können.

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Ich lief immer einige Schritte und machte ein Foto. Dann blieb ich einige Sekunden stehen und beobachtete das Verhalten des Muttertieres. So bin ich Schritt für Schritt bis auf etwa zwei Meter an diese beiden Tiere herangekommen. Inzwischen war nun das Auto etwa 100 Meter weiter weg und dort stand mein Kollege und beobachtete die Situation mit Erstaunen. Als ich die Zweimetergrenze erreichte, wusste ich, dass ich bei diesen Tieren nicht mehr riskieren darf. Ich habe mich kurz hingesetzt, um ein Foto von etwas weiter unten aufnehmen zu können. Dadurch erscheinen die Tiere noch spektakulärer und die Perspektive ist ungewöhnlicher, was dem Bild zu Gute kommt. Mit dem Klick meiner Kamera, gab mir die Nashornkuh das Zeichen, dass es jetzt reicht. Es ist ein lautes Schnaufen, begleitet mit einem Tritt auf den Boden, der auch viel Staub aufwirbelt.

Ich stand auf und ging sehr selbstbewusst und langsam rückwärts. Mein Kollege war total überrascht, dass ich so nah an die Nashörner heran gekommen war, ohne attackiert zu werden. So kam es zu diesem Foto, welches die Nashornkuh mit ihrem Baby zeigt. Zwei Tage später ist ein Bild von einem anderen Nashorn entstanden, welches ich aus weniger als einem Meter aufgenommen habe. Auch hierbei habe ich kontinuierlich den Gemütszustand des Nashorns beobachtet und mich ihm Schritt für Schritt angenähert. Als ich das letzte Bild von diesem Nashorn aufnahm, hätte ich mit ausgestecktem Arm das Horn des drei Tonnen schweren Nashorns berühren können. Das Bild des einzelnen Nashorns, das Sie hier sehen, ist so entstanden.

Der Ranger, der mit mir unterwegs war, meinte, dass er noch nie gesehen oder gehört hatte, dass sich ein Mensch bis auf wenige Zentimeter an wilde Nashörner heranpirschen kann, ohne, dass die Tiere weglaufen oder angreifen. Ich habe hierfür meine eigene Erklärung: Dadurch, dass ich mich seit vielen Jahren für den Schutz der Nashörner einsetze und emotional diese Tiere sehr liebe, strahle ich eine positive Energie gegenüber diesen Lebewesen aus. Diese Energie wird von den Tieren so wahrgenommen, dass sie mich weder als beängstigend noch als aggressiv empfinden. Deswegen haben sie mir mehrfach erlaubt, mich ihnen bis auf wenige Zentimeter zu nähern. Ich bin davon überzeugt, dass dies niemals möglich sein würde, wenn ein Mensch Angst oder Aggressionen ausstrahlt!

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Wenn ich heute Baby-Nashörner in der Wildnis sehe, freue ich mich ganz besonders, weil ich sie fast wie meine eigenen Kinder empfinde. Wenn wir uns damals nicht für ihren Schutz eingesetzt hätten, dann wären sie schon lange ausgerottet worden. Durch diese starke Verbindung zu den Nashörnern strahle ich eine tiefe Sympathie für diese wunderbaren Lebewesen aus.

Das Wildern der Nashörner hat leider seit etwa 2009 wieder Hochkonjunktur. Seitdem es den Chinesen finanziell gut geht, bezahlen sie horrende Summen für das Horn dieser Tiere, und überall, wo viel Geld für etwas gezahlt wird, wird es auch skrupellose Menschen geben, die diesen Bedarf abdecken. Somit müssen wir wieder den Kampf gegen die Wilderer und viel mehr gegen die chinesische Mafia aufnehmen, um die Nashörner vor der sicheren Ausrottung zu bewahren. Mehrere Umweltschutzorganisationen haben Pläne entwickelt, um das Problem zu lösen.

Herzliche Grüße

Ihr Benny Rebel


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