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The RED Bulletin

 Das auflagenstärkste Magazin der Welt "The RED Bulletin" berichtet in der Ausgabe September 2012 über Benny Rebel und seine Arbeit als Tierfotograf und Naturschützer. Das Magazin erscheint weltweit in zahlreichen Sprachen.

Benny-Rebel-Fotoreise-Afrika-Fotoworkshop-Safari-A1Küss die Hand

Seine Models tragen Pelz und Horn und haben Menschen mit Kamera zum Fressen gern.
Benny Rebel hat trotzdem kein Problem mit dieser Art von Zuneigung: Der Deutsche pirscht sich näher an wilde Raubtiere heran als jeder andere Naturfotograf.

Benny Rebel
Geboren (1968) und aufgewachsen im Iran, zog er 1987 nach Hannover. Nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker intensivierte der leidenschaftliche Tierschützer interessehalber sein Verhaltensstudium der Tiere. Mitte der neunziger Jahre begann Rebel, seine Reisen fotografisch zu dokumentieren. Im Jahr 2000 gestaltete er in
Hannover seine erste Fotoausstellung mit dem Titel „Too Beautiful to Die“:  Sie war der
Startschuss zu einer erfolgreichen Karriere. 2002 und 2003 wurde Rebel beim weltgrößten Fotowettbewerb „Austria Super Circuit“ zum besten Naturfotografen gewählt. Es folgten zahlreiche Publikationen in Büchern, Kalendern und Magazinen sowie Fernsehauftritte. Seit einigen Monaten veranstaltet Benny Rebel alternative Safaris, auf denen er Tierliebhaber an seinen Abenteuern teilhaben lässt.
www.benny-rebel.de

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„Es gibt auch psychisch gestörte Tiere“


Benny Rebel über die Anziehungskraft seiner Bilder und seine goldene Überlebensregel.

RED BULLETIN: Wie nähert man sich Wildtieren und Raubtieren, ohne dabei attackiert zu werden?
Benny Rebel: Man muss akzeptieren, dass jedes Lebewesen einen eigenen Charakter hat. Es gibt zum Beispiel Tiere, die psychisch gestört sind: Von denen sollte man sich fernhalten, weil sie aggressiver reagieren als ihre Artgenossen. Das gilt genauso bei kranken Tieren oder bei Weibchen, die gerade Junge bekommen haben. Bevor ich zur Kamera greife, stelle ich mir immer dieselbe Frage: Was will mir mein Gegenüber mit seiner Körpersprache vermitteln?
Ich versuche, von den Tieren zu lernen. Das ist der einzige Grund, warum ich noch am Leben bin.

Was macht Ihre Fotos so speziell?
Ich habe das Weitwinkelobjektiv in der Tierfotografie etabliert. Vor mir saßen viele Kollegen mit Teleobjektiven in ihren Jeeps und fotografierten aus einem Sicherheitsabstand von hundert Metern. Durch meine Nähe zu den Tieren bekommen die Bilder eine größere Schärfentiefe – und der Betrachter fühlt sich in meine Situation versetzt.

Wann haben Sie Ihre Liebe zu Tieren entdeckt?
Schon als Kind. Mit sieben, ich war damals Pfadfinder, habe ich zum Beispiel Giftschlangen gefangen, um sie als Haustiere zu halten. Es kam oft vor, dass meine Familie panikartig aus dem Haus rannte, wenn ich mit meinen Fundstücken ankam.

Wie fanden Sie Ihre Berufung als Tierfotograf?
Die Fotografie ist für mich nur ein Mittel zum Zweck – ich bin zuallererst Umweltschützer. Bis 1998 wusste ich gar nichts über diesen Beruf. Ich hatte auf meinen Reisen nur eine billige Plastikkamera dabei und knipste, was ich sah. Die Bilder waren grottenschlecht, doch ihre Entstehungsgeschichten haben viele meiner Freunde fasziniert. Ich verschlang deshalb in einem Jahr 200 Fachbücher und gewann bei einem Preisausschreiben meine erste Spiegelreflexkamera. Das war gewissermaßen der Startschuss für meine Karriere.

 

Benny-Rebel-Fotoreise-Afrika-Fotoworkshop-Safari-A3Das jähzornigeKrokodil

 
Krokodile wirken auf den ersten Blick träge und schwerfällig. Dieser Schein trügt: Die Räuber beobachten mögliche Beutetiere mit beispielloser Geduld, um im richtigen Moment blitzschnell zuzuschlagen. Eile tut nicht not: Hat sich ein erwachsenes Tier erst sattgefressen, kann es dank dieser Reserve länger als ein Jahr überleben. Ich hatte die Ehre, eine dieser Kreaturen näher kennenzulernen. Freunde von mir betreiben in Südafrika ein Reservat, wo ich einige Monate als Ranger-Azubi arbeitete. Zu den Tieren im Wildschutzgebiet gehörte jenes große Krokodil, das auf dem Bild zu sehen ist. Es lebte mit anderen Artgenossen in einem weiträumigen Wasserloch. Die Wildhüter erklärten mir, dass dieses Reptil ein schlecht gelaunter Zeitgenosse sei und – sofern gestört – sofort angreife. Begegnungen mit ihm liefen stets wie folgt ab: Sobald jemand mit einem Stock gleichmäßig auf das Wasser schlug, nahm das Krokodil den Übeltäter aufs Korn. Dann ging es auf Tauchgang und schoss kurz darauf wie eine Rakete ans Ufer. Weil ich das Angriffsschema des Tiers kannte, traute ich mir nach einiger Zeit zu, ihm mit der Kamera zu begegnen. Trotzdem war der damit verbundene Adrenalinkick nicht ohne … Inzwischen lebt das Tier nicht mehr im Reservat: Eine der jährlichen großen Fluten hat es mit sich fortgetragen.
Technische Details:
Kamera: Sony Alpha 900,
Objektiv: Zeiss 16–35 mm f/2,8 bei 16 mm,
Blende: 8, Zeit: 1/640 Sekunde, ISO: 200


Benny-Rebel-Fotoreise-Afrika-Fotoworkshop-Safari-A4Meine Freundin Savanna


Auf einer Expedition durch Südafrika besuchte ich ein Naturschutzreservat an der Grenze zum Krüger-Nationalpark. Die Inhaber präsentierten mir ein junges Gepardenweibchen, das sie großgezogen und Savanna getauft hatten. Das Tier verbrachte zwar die meiste Zeit im Busch, besuchte aber regelmäßig die Lodge. Der Grund: Savanna liebte Streicheleinheiten und schnurrte dabei wie eine Hauskatze. Es war faszinierend zu beobachten, wie der Jäger Gnus oder Zebras erlegte und den Rest des Tages als Schoßtier verbrachte. Als Savanna später vier Babys auf die Welt brachte, flog ich sofort nach Afrika. Die Wildhüter hatten die junge Familie in einem Großgehege untergebracht, um sie vor Attacken anderer Raubkatzen zu schützen. Savanna war entspannt, selbst wenn ich mich stundenlang in der Nähe aufhielt, um zu fotografieren. Für die Kleinen war ich ein toller Spielkamerad, weil ich nicht so schnell laufen konnte wie sie. Nach einigen Monaten wurden die Geparden ausgewildert, und eine Weile ging alles gut. Dann begegneten sie auf der Jagd einem Löwenrudel. Savanna wollte ihre Kinder schützen und bezahlte diesen Kampf mit ihrem Leben. Von den vier Jung-Geparden überlebten am Ende drei. Sie durchstreifen noch immer jenes Reservat, in dem ich sie als Babys kennenlernen durfte.
Technische Details:
Kamera: Sony Alpha 900;
Objektiv: Sony 70–400 mm SSM bei 900;
Blende: 6,3; Zeit: 1/320 Sekunde; ISO: 200


Benny-Rebel-Fotoreise-Afrika-Fotoworkshop-Safari-A5Das hungrige Nashorn

 

Vor mehr als zwanzig Jahren kam ich in Kontakt mit Umweltschutzorganisationen und erfuhr so von den schrecklichen Missständen, die durch geldgierige Firmen verursacht wurden. Die Natur wird rücksichtlos zerstört, und bereits damals waren viele Tierarten aus Profitgier ausgerottet worden. Als ich anfing mitzuhelfen, diesen Irrsinn zu stoppen, waren vor allem Breitmaulnashörner bedroht. Ihre Hörner wurden zu Dolchgriffen verarbeitet und zu chinesischer Hokuspokus- Medizin, die sexuell potenter machen soll – völliger Schwachsinn!
Dieses Bild entstand während meiner Ranger-Ausbildung in Südafrika. Es herrschte Dürre, und wir waren gerade dabei, neben Wasserstellen Tonnen von Gras auszubreiten. Für die Nashörner überlebensnotwendig, da die Wildnis keine Nahrung mehr hergab. Wenn die Nashörner hungrig ankamen, mussten wir schnell das Feld räumen, um möglichen Attacken aus dem Weg zu gehen. Trotzdem wollte ich das Unmögliche wagen und sie aus nächster Nähe fotografieren. Ich pirschte mich Schritt für Schritt an ein Tier heran, das sich etwas abseits der Gruppe aufhielt. Gott sei Dank war es offensichtlich gut gelaunt und beachtete mich kaum. Als ich auf den Auslöser drückte, hätte ich das Horn des 3-Tonnen-Riesen mit ausgestreckten Armen berühren können.
Technische Details:
Kamera: Canon EOS-1V HS; Objektiv: Sigma 14 mm
f/2,8 14mm; Blende: 8; Zeit: 1/250 Sekunde;
ISO: 100 (Diafilm, Kodak Elite extra color)


Benny-Rebel-Fotoreise-Afrika-Fotoworkshop-Safari-A6Ein Objektiv für ein Foto

 

Vor einigen Jahren traf ich in der Namibwüste einen jungen Mann. Er suchte jemanden, der für die elterliche Lodge Werbebilder machen könnte. Im Gegenzug würde er mir seinen halbzahmen Leoparden präsentieren. Am nächsten Tag fuhr ich zum ausgemachten Treffpunkt. Mir stand eine Begegnung mit der gefährlichsten aller Raubkatzen bevor, denn Leoparden sind unberechenbar und kaum zu zähmen. Also zog ich dicke Militärkleidung an und bereitete mich geistig auf mögliche Prankenhiebe vor. Beim ersten Treffen inspizierte mich der Leopard schon aus der Ferne. Dann sprang er mich an, zerfetzte meine Hose und schlitzte eine drei Zentimeter breite Wunde in mein Bein. Ich nahm die Verletzung ohne Regung hin. Die Woche darauf akzeptierte mich das Tier bereits als Gefährten. Manchmal stahl die verspielte Raubkatze sogar meine Kamera und verschwand damit in einem Dornenbusch. Zurück bekam ich sie nur per Tauschgeschäft:
Ich fuchtelte mit Münzen oder Tüchern herum und erregte so ihre Aufmerksamkeit. Dann warf ich die Gegenstände möglichst weit von mir weg, um Zeit für meine Rückholaktion zu schinden. In einer ähnlichen Situation entstand dieses Bild: Der Leopard zerstörte mit einem Tatzenhieb die Frontlinse meines Objektivs, kurz nachdem ich auf den Auslöser gedrückt hatte.
Technische Details:
Kamera: Canon EOS-1V HS; Objektiv: Sigma 14 mm
f/2,8 14mm; Blende: 8; Zeit: ca. 1/250 Sekunde;
ISO: 100 (Diafilm, Kodak Elite extra color)