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Indien

Indien, das Land voller Schocker



Als ich Anfang März 2007 mit unserem Tigerexperten Dieter Gutmann nach Indien flog, um dort einen Film über die Tiger und ihren Kampf ums Überleben zu produzieren, dachte ich, dass ich relativ gut über Indien informiert sei. Ich hatte bis dato zahlreiche Bücher und Magazine über dieses mystische Land gelesen und bereits viele Dokumentationen im Fernsehen gesehen.

Was ich jedoch in Indien vorfand, lag jenseits meiner Vorstellungskraft.

Ich habe während der Reise Interviews mit Umweltschützern, Biologen, ehemaligen Wilderern, Bauern, Ärzten, Naturführern, Fahrern, Regierungsangestellten, Hotelbesitzern, Hotelangestellten, Verkäufern, Tigerattackenopfern, etc. geführt, um einen besseren Überblick über die indische Gesellschaft zu bekommen.

Was an dieser Stelle folgt, beschreibt den indischen Subkontinent durch meine Augen:

Indien ist für mich das Spiegelbild unserer Zukunft, wenn wir Menschen nicht bald beginnen, umzudenken. Ein ehemals wunderschönes Land, überbevölkert, korrupt, heruntergekommen, laut, verschmutzt und trotzdem, ja vielleicht sogar genau deswegen schützenswert.

Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich kann kaum noch größer sein. Während die Wohlhabenden nicht mehr wissen, wie sie ihre Millionen ausgeben sollen, verhungern die Armen regelrecht auf der Strasse. Keine 100 Meter von den prunkvollen touristischen Highlights des Landes entfernt, findet man Slums, wo die Menschen auf einem zum Himmel stinkendem Müllhaufen leben und sich auch noch davon ernähren.

Noch schlimmer als der allgegenwärtige Gestank des Mülls ist die Korruption im Land und zwar durch alle gesellschaftlichen Schichten. Von den Politikern über die Richter und Beamten bis hin zu den Polizisten, die für jeden „Dienst“ die Hand aufhalten. Es wird geschummelt und getrickst und es werden sogar kurzerhand Gesetze außer Kraft gesetzt, um illegale Vorgänge irgendwie zu legalisieren.



Die zahleichen Interviews zeigten, dass die Korruption ein wesentlicher Bestandteil der indischen Gesellschaft ist und viele Missstände im Land darauf zurückzuführen sind. Auf Deutsch gesagt: ohne zu „schmieren“ lässt sich in Indien kein „Rad“ drehen“! Die Korruption ist zwar weltweit in jedem Land verbreitet, hat aber in Indien unvorstellbare Ausmaße angenommen. Das haben wir auch selbst während unserer Reise mitbekommen. Schon an der Grenze wurden wir erpresst und es mussten Gelder fließen, damit wir weiter kommen konnten. Im Land begleitete uns die „Korruption“ auf Schritt und Tritt. „Es ist verboten hier Filme zu drehen“, hieß es immer wieder. Zahlte man einen gewissen Betrag unter der Hand, wurde das Verbot jedoch sofort aufgehoben.

Das größte Problem des Landes ist jedoch die Überbevölkerung. Die Strassen sind voll mit ständig hupenden Autos und Rikschas, die sich zwischen den Menschenmassen mit Ellenbogenmentalität fortbewegen. Grauenvoll!

All diese Menschen haben große Familien, dessen Mitglieder große Familienpläne schmieden. Die meisten von ihnen haben fünf, sieben oder noch mehr Kinder. Wie diese vielen Kinder in Zukunft ernährt, bekleidet, ausgebildet und mit sauberem Trinkwasser versorgt werden sollen, weiß niemand.

1950 lebten in Indien 350 Millionen Menschen. Während der letzten 57 Jahre hat sich die Bevölkerung verdreifacht! Heute leben mehr als 1,1 Milliarden Menschen in Indien und im Jahr 2050 sollen es sogar etwa 1,7 Milliarden werden. Indien platzt aus allen Nähten und dabei ist dieses Land keineswegs ein Einzelfall. Zahlreiche Länder in Asien, Afrika und Südamerika leiden unter den selben Problemen. 99% des Erdbevölkerungswachstums findet in den verschiedenen Entwicklungsländern statt. Wir haben bereits jetzt einen von Menschen überfüllten Planeten. Lebten noch im Jahr 1960 etwa 3 Milliarden Menschen auf der Erde, sind es heute mehr als 6,6 Milliarden.



Immer mehr Menschen brauchen einen Platz zum Leben, sauberes Trinkwasser und Nahrung zum Essen. Das geht immer auf Kosten der Tiere und der Natur und schließlich auch auf unsere eigenen Kosten. Wenn ungebremst bis zum Kollaps!

Dieses Thema hat auch mit unserer Filmproduktion zu tun. Tiger und andere Tiere leiden schon seit längerer Zeit unter dem enormen Bevölkerungsdruck und der Explosion der Armut. In unserem Film beschäftigen wir uns tiefergehend mit diesem Thema.

Von dem wirtschaftlichen Aufschwung Indiens, von dem oft die Presse berichtet, profitieren hauptsächlich die Reichen aus der Oberschicht, die wenigen hoch Gebildeten aus der Mittelschicht und die ausländischen Firmen. Die Masse der Armen bekommt von diesem „Wohlstandskuchen“ nichts ab.

Was mich sehr wunderte, war die extrem hierarchische Struktur im indischen Alltag. Dies hat sich wohl in der Kolonialzeit etabliert und seitdem nur wenig verändert. Die Reichen behandeln ihre Angestellten wie Sklaven und diese spielen die Sklavenrolle auch noch mit. Mit Hungerlöhnen von weniger als einem Euro pro Tag leisten sie teilweise sogar Schwerstarbeit.

Die Vernichtung der Tierlebensräume und die Bedrohung der Arten durch die Menschen hängt direkt mit der miserablen wirtschaftlichen Lage der Menschen und der Zunahme der Bevölkerungszahl zusammen.

Trotz der düsteren Lage gibt es Hoffnung. Es gibt Menschen und Organisationen, die einen wertvollen Beitrag dazu leisten, den totalen Kollaps zu verhindern. Diese Menschen und Hilfsorganisationen in den Vordergrund zu stellen und ihre erfolgreichen Strategien vorzustellen ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Filmes. Zahlreiche geniale Hilfsmaßnahmen können sogar als Lernmuster in den anderen Teilen der Erde, die unter den selben Problemen leiden, dienen, um ein Zusammenleben der Menschen mit der Natur zu vereinfachen.



Die eingegangenen Spendengelder, die unsere Förderer des Projektes „Mensch & Tiger“ überwiesen hatten und ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf meiner Bücher wurden zu 100% an die TIGER WATCH ORGANISATION weitergegeben, nachdem wir vor Ort festgestellt haben, dass diese Organisation am dringendsten unsere Hilfe benötigt. Sie leistet eine äußerst effektive Arbeit, insbesondere im Antiwilderei-Segment. Mit den nächsten Geldern, die hoffentlich aus dem Verkauf unseres Filmes zusammengestellt werden, werden wir mehrere unterschiedliche Projekte und Organisationen unterstützen, die ebenfalls Gutes bewirken.
Sämtliche Reise- und Filmproduktionskosten wurden von uns privat getragen.


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