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Abenteuer Iran


Als Tierfilmer und Umweltschützer unterwegs durch den Iran

Ich bin bis heute mehrmals um die Erde gereist und habe mir zahlreiche Länder, Menschen und Kulturen auf verschiedenen Kontinenten angeschaut. In vielen Ländern der Welt habe ich wunderbare Freundschaften geschlossen, die ich nach wie vor pflege. Die Gastfreundschaft jedoch, die menschliche Wärme, die Fürsorge und die selbstlose Hilfsbereitschaft der Iraner stellt alles, was ich bisher gekannt hatte, völlig in den Schatten! Die Iraner sind in meinen Augen in diesen Dingen die Weltmeister!
Im Jahr 2006 bin ich nach 19 Jahren Leben in Deutschland das erste Mal in den Iran geflogen.
In den 14 Tagen, wo ich in diesem riesigen Land war, stellte ich schnell fest, dass ich in Sachen Umweltschutz einiges vor Ort bewegen könnte. Der Bürgermeister der Stadt Arak, in der ich mich hauptsächlich aufhielt, lud mich zu einem persönlichen Gespräch ein und später traf ich mich mit einigen Vertretern der lokalen NGOs (Regierungsunabhängige Umweltschutzgruppen), um mich mit ihnen über die Lage der iranischen Naturschutzprojekte auszutauschen. Dabei wurde mir klar, dass es in Sachen Naturschutz vieles zu tun gab. Mir kamen zahlreiche Ideen in den Sinn, wie ich helfen könnte. Daher machte ich einen Plan für eine Umweltschutzaktion und eine parallele Filmproduktions-Expedition in den Iran für das darauf folgende Jahr. Die Reise begann im Mai 2007.
Die 10000-Kilometer-Expedition war äußerst anstrengend und gleichzeitig bildend, da das Reisen, die Nationalparks und die iranischen Behörden ganz anders funktionieren als der Rest der Welt. Das Sammeln dieser neuen Erfahrungen war nicht immer einfach, aber für mich sehr interessant, denn mein Erfahrungsschatz wurde täglich um Einiges reicher. Ich habe gelernt, wie die Nationalparks im Iran organisiert sind, wie ich im Land und in den Nationalparks vorwärts kommen kann etc. Dadurch, dass das Arbeiten im Iran einen ganz eigenen Rhythmus hat, ist es für uns Europäer sehr schwierig, dort für längere Zeit gut und effektiv zu arbeiten. Selbst der Umgang mit den Tieren ist ganz anders als z.B. in Afrika.

Iran ist eines der schönsten, vielseitigsten und am meisten unterschätzten Länder der Welt. Ich fand dort Landschaften vor, die aussahen, wie in Südafrika, andere Gebiete wie in Namibia, wiederum welche wie in den USA. Manche Teile des Landes sahen so aus, wie europäische Länder und andere wie das Himalajagebirge. In der zentraliranischen Wüste sah ich einige Landschaften, die wie Mondlandschaften oder wie auf dem Mars aussahen. Dann im Norden des Landes einige der ältesten und aus biologischer Sicht wichtigsten Urwälder der Nordhalbkugel.
Irans Tierwelt ist zwar sehr vielfältig, aber die Anzahl der Tiere ist oft sehr gering. Die Ursache dieses Problems liegt in der seit Jahrtausenden praktizierten und rücksichtslosen Jagd im Land, die dazu geführt hat, dass nur die Tiere überlebt haben, die äußerst scheu sind, sich in unzulängliche Gebiete zurückgezogen haben und die menschliche Nähe stets meiden. Somit ist die Fluchtdistanz bei jedem iranischen Tier wesentlich größer, als die seiner Artgenossen in anderen Ländern. Extreme Telebrennweiten sind notwendig, um bestimmte Tiere überhaupt aufnehmen zu können.
Das Arbeiten im Iran hat noch weitere Tücken, von denen ich hier die wichtigsten aufzähle:


- Das Finden der Nationalparks ist eine Herausforderung für sich, da diese fast nie ausgeschildert sind.
- Die Nationalparks haben teilweise keine Strassen, die befahren werden können. Selbst ein großer Geländewagen kommt vielerlei Ortes nicht vorwärts. Deswegen musste ich oft große Distanzen bei extremer Hitze und mit viel Equipment auf meinem Rücken zu Fuß überwinden. Es gab in manchen Gebieten nicht einmal einen Trampelpfad. Diese Tatsache machte das Wandern, vor allem in den Bergen, äußerst schwierig und sogar teilweise lebensgefährlich. Jeder von unseren Expeditionsteilnehmern hat mehrere Stürze überlebt, ich habe bei meinem Knie einen Kreuzbandriss davongetragen!
- Die Drehgenehmigungen waren sehr unflexibel und eine Änderung des Zeitplans war nur mit sehr viel Umstand möglich.
- In den Nationalparks gibt es weder Supermärkte noch Restaurants. Manchmal sogar keinen Strom und kein Trinkwasser. Das heißt, ich musste alles für den Aufenthalt meiner Crew in die Nationalparks mitnehmen. Dies nahm viel Platz im Auto in Anspruch und machte den Wagen sehr schwer.
- Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius bereiteten meiner Crew körperliche Probleme.
- Einige Nationalparks im Zentrum und Osten des Landes werden von internationalen Drogenkurieren als Schmuggelland missbraucht. Diese Drogenkarawanen werden von schwer bewaffneten Killern begleitet, die alles auf ihrem Weg niederschießen, was ihnen in die Schussweite kommt. In solchen Gebieten mussten wir einige Tage und Nächte verbringen.
- In einem anderen wunderschönen Bereich des Landes, in Lorestan, hat es in der Vergangenheit zahlreiche Raubüberfälle gegeben, bei denen den Reisenden alles abgenommen wurde. Wir sind auch durch dieses Gebiet gewandert!

 

 

Trotz der Schwierigkeiten und körperlicher und geistiger Überanstrengung war die Reise sehr schön und vor allem sehr erfolgreich. Als ich Anfang Mai in meiner Geburtsstadt Arak ankam, wurde ich von der Bundesverwaltung gebeten, im Umweltministerium eine Rede über meine Umweltschutzaktionen zu halten. Diese fand vor einigen hundert Interessierten und Experten statt. Ich bekam die Chance, meine Umweltschutzgedanken an zahlreiche Menschen weiter zu geben. Die Rede wurde im iranischen Fernsehen gesendet. Danach wurde ich von dem Fernsehprogramm „Aftab“ zu einem 35-minütigen Interview eingeladen, wo ich erneut ausführlich für den Naturschutz im Iran geworben habe. Insgesamt bekam ich während dem dreimonatigen Aufenthalt die Chance, viermal im iranischen Fernsehen für den Naturschutz zu werben.
Mit den Dreharbeiten habe ich in der Nähe meiner Geburtstadt „Arak“ begonnen. Eine Woche lang hat das iranische Fernsehen mich begleitet und einen Hinter-den-Kulissen-Film über meine Art zu arbeiten produziert, der wohl irgendwann demnächst gesendet werden soll.
In dieser Zeit blühten die Wildblumen in den Gebirgen in allen erdenklichen Farben. Die Schönheit dieser Landschaft ist mit der des „Namaqualandes“ in Südafrika vergleichbar, wo jährlich einmal nach dem ersten Regen die Wildblumen zu blühen beginnen.
In dieser wunderschönen Berglandschaft begegneten wir zahlreichen Vogelarten, wie Blauracken, Bienenfressern, Steppenadlern, Stieglitzen usw. Des weiteren sahen wir Wildschafe, Rehe, Wölfe, Schakale, Füchse, verschiedene Schlangen, Landschildkröten und spektakuläre bergige Landschaften.
Von dort aus ging es weiter in den Süden, wo ich die Gelegenheit bekam, in der Savannenlandschaft u.a. auch Hyänen, verschiedene Raubvögel und andere Wildschafarten zu sehen.
Die Expedition führte uns weiter nach Osten in Richtung Afghanistan, später in den Norden an die Grenze zu Turkmenistan. Dann den nördlichen Bereich entlang bis zum Kaspischen Meer, dem größten See der Welt. Von dort aus ging es dann zurück nach Arak unserer Ausgangsstadt. Unterwegs habe ich noch zahlreiche Tiere und wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaften gefilmt, die Sie später in unserem Film sehen können.
Meine Iranexpedition fand ein vorzeitiges Ende. Es war ursprünglich geplant, dass ich für vier Monate durch die Nationalparks Irans reise. Ich musste die Reise jedoch nach zweieinhalb Monaten beenden. Der Grund dafür war die Rationierung des Benzins. Das hört sich komisch an: In einem Land wie dem Iran, mit gigantischem Erdölvorkommen der viertgrößte Erdölexporteur der Welt, ist das Benzin zu knapp geworden. Iran hat zwar viel Erdöl, aber nicht genügend Raffinerien, um den Eigenbedarf an Benzin decken zu können. Bislang wurden diese Benzin-Defizite zu teuren Preisen aus dem Ausland importiert und mit erheblichen Subventionen an die Verbraucher weitergegeben.
Somit kostet das Benzin im Iran etwa nur acht Cent pro Liter !

Die Rationierung des Benzins war eine Art Kriegsführung gegen die USA. Damit ist die iranische Regierung den Amerikanern einen Schritt zuvor gekommen. Der Hintergrund liegt darin, dass die USA seit längerem der Welt eine wirtschaftliche Sanktion gegen den Iran diktieren wollen. Damit diese eventuelle Sanktion die Iraner nicht unvorbereitet trifft, wurde jetzt schon das Benzin rationiert, um damit auch den Verbrauch des Benzins zu senken. Es gibt ebenfalls Überlegungen, die Subventionierung des Bezins, die die iranische Regierung jährlich etwa vier Milliarden Dollar kostet, gänzlich zu streichen. Mit diesem Geld ließen sich dann Raffinerien bauen, die das Benzin-Problem lösen würden. An sich ein kluger Plan, der aber in der Umsetzung sehr viele grobe Fehler aufwies, was große Probleme im Land verursachte.
Aus der Sicht des Umweltschutzes, wurde mit diesem Schritt „UNGEWOLLT“ sehr viel Positives getan! Das rationierte und später verteuerte Benzin zwingt die Menschen erstens dazu, weniger Autos zu fahren und zweitens, darüber nachzudenken, Autos zu kaufen, deren Benzinverbrauch gering ist. Dieser Effekt war während meines Aufenthaltes im Iran sofort sichtbar. Die Nachfrage nach Autos mit geringem Kraftstoffverbrauch ist über Nacht explodiert, was dazu führte, dass sich die Preise für solche Autos um bis zu 20% erhöht haben.
Der Zweck meiner Expedition war nicht allein, einen Film zu produzieren, sondern viel mehr, dem Umweltschutz im Lande zu helfen. Zwischen den ganzen Reisen und Terminen habe ich es geschafft, mich mit mehreren „NGOs“ zu treffen und Meinungsaustausch zu betreiben. Diese Treffen waren sehr ergiebig und ich fand zwischen den Umweltschützern einige neue Freunde, mit denen ich in Zukunft zusammen arbeiten möchte.
Während meiner Reise durch das Land habe ich mir sämtliche große Mängel der Nationalparks und die Umweltschutzrichtlinien aufgeschrieben und zu einem 15-Punkte-Bericht verfasst. Diesen Bericht habe ich Frau Dr. Vaez Javadi, der Umweltministerin des Irans und allen über 30 Vertretungen der Naturschutzbehörden in den iranischen Bundesstaaten zugesendet. Zusätzlich wurden Kopien davon an Fernsehanstalten und Zeitungen des Landes geschickt, um möglichst viele wichtige Stellen von den Umweltproblemen des Landes in Kenntnis zu setzen.
 

Der 15-Punkte-Bericht, den ich an Frau Dr. Vaez Javadi, der Umweltministerin des Irans gesendet habe (hier in Kurzform):

Sehr geehrte Frau Dr. Vaez Javadi,

ich habe bis heute zahlreiche Länder auf unterschiedlichen Kontinenten besucht und wurde mit verschiedenen Kulturen bekannt. Der Iran spielt dabei eine Sonderrolle. Durch die besondere Lage des Landes, die Größe und die Vielfältigkeit der Landschaften und damit auch die außergewöhnliche Tierwelt ist der Iran eines der schönsten und spektakulärsten Länder der Welt.
Vom tropischen Regenwald, über das Hochgebirge bis hin zur Sandwüste gibt es im Iran so ziemlich alles, was die Erde zu bieten hat. Diese unterschiedlichen Landschaften beherbergen Tiere aus drei Kontinenten. Man findet im Iran Tiere, die man eher in Nordeuropa vermutet, wie Bären und Wölfe. Dann gibt es im selben Land auch Tiere, die man eher in Afrika suchen würde, wie Leoparden und Geparde. Des weiteren gibt es zahlreiche typisch asiatische Tiere und natürlich die endemischen iranischen Tiere, die den besonderen Reiz ausmachen.
Die Jahrtausende alte Geschichte des Landes, sowie die prunkvollen Bauten sind ebenfalls große Interessenmagneten des Landes. Zusätzlich beherbergt der Iran die gastfreundlichsten und nettesten Menschen, die ich je auf meinen Reisen getroffen habe.
All diese Superlative des Landes schreien förmlich nach einer ökonomischen Nutzung, wovon auch die Ökologie profitieren kann!
Im Jahr 2006 hat Deutschland 26 Milliarden Dollar, Südafrika 17,85 Milliarden Dollar und die Türkei 18,2 Milliarden Dollar aus dem Tourismusbereich erwirtschaftet.

Der Iran ist so groß wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien zusammen und von der Naturwelt ist der Iran sicherlich noch viel interessanter, als die genannten Länder. Somit hätte der Iran ein Riesenpotenzial, von dem Öko-Tourismus zu profitieren, was bis heute leider nicht der Fall ist.
Wie Sie sicherlich wissen, wird vermutlich in etwa 50 bis 70 Jahren kaum noch Erdöl im Iran zu finden sein und bis dahin muss das Land neue Wege finden, um diese erloschene Geldquelle zu ersetzen.
Da bietet sich eine Quelle an, die niemals erlischen wird, solange die Natur des Landes geschützt bleibt. Dieses Geld kann Tausende neuer Arbeitsplätze schaffen, kurbelt die Wirtschaft an und das Schönste daran ist, dass dieser Weg wesentlich sauberer und gesünder für die Natur und für die Menschen ist, als das Geldverdienen im Ölgeschäft oder in der Industrie.
Mit einem ökologisch und ökonomisch sinnvollen Plan, sowie einer Erleichterung der Formalitäten für die ausländischen Besucher könnte das Land sich in etwa 20 bis 25 Jahren eine neue Einnahmequelle in Höhe von jährlich bis zu 50 Milliarden Dollar erschließen.
Bevor jedoch diese Einnahmequelle erschlossen werden kann, muss das Land in den Aufbau einer touristischen Infrastruktur und in Werbung investieren. Allem voraus muss der Schutz der Naturwunder und der Nationalparks des Landes verbessert werden. Zahlreiche Tiere, wie der kaspische Tiger und der asiatische Löwe wurden bis heute im Iran ausgerottet. Es gilt, dafür zu sorgen, dass andere Tiere von diesem Schicksal verschont bleiben.
Auf meiner 10000 Kilometer Expedition durch die iranischen Nationalparks wurde ich auf einige Mängel aufmerksam, die ich Ihnen hiermit mitteilen möchte. Die 15 wichtigsten Punkte werden hier aufgeführt:

1- Die fleißigen Wildhüter in den Nationalparks haben keinerlei Ausbildung bezüglich ihres Berufes genossen und somit verstehen sie nicht viel von ihrer eigenen Arbeit. Sie haben so gut wie keine Kenntnisse über die heimischen Pflanzen und Tiere und das Zusammenspiel der verschiedenen Arten in der Natur. Die meisten von ihnen sehen ihre Aufgabe nur darin, die Tiere zu schützen, die von den illegalen Jägern getötet werden, wie z.B. Antilopen, Wildschafe etc. In diesem Zusammenhang ist es unbedingt notwendig, dass die Wildhüter eine solide Ausbildung und später Fortbildungen genießen.
2- In zahlreichen Interviews stellte ich fest, dass die Wildhüter selbst die Tiere töten, die sie eigentlich schützen sollten. Sie töten viele Tiere, die ihnen gefährlich werden könnten, wie Wölfe, Schlangen, Skorpione und Spinnen. Selbst vor meinen eigenen Augen fanden solche Taten statt, was nur mit meiner starken Gegenwehr zu beenden war. Die Wurzeln dieser Tatsachen liegen in der mangelnden Ausbildung zum echten Wildhüter.
3- Alle interviewten Wildhüter waren mit ihrem Gehalt unzufrieden, das tatsächlich, verglichen mit den anderen Berufen, wesentlich geringer ausfällt. Ein Großteil der Wildhüter arbeitet als Zeitarbeiter und dies teilweise seit über 10 Jahren. Die Gehälter werden schlicht und einfach teilweise monatelang nicht ausgezahlt. In diesem Jahr haben die Wildhüter bereits seit vier Monaten kein Gehalt erhalten. Die dadurch zu Recht entstandene Grundunzufriedenheit wirkt sich natürlich negativ auf die Arbeit der Wildhüter aus. Einer von ihnen sagte: „Wie soll ich mit leerem Magen große Wanderungen durch die Nationalparks unternehmen, um Wilderern das Handwerk zu legen, was mich in einem Kampf, auch das Leben kosten kann?“ Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dass sie sogar selbst die Tiere zum Verzehr jagen, die sie schützen sollen. Dieser Zustand muss sich ändern !
4- Die Arbeitsmittel der Wildhüter sind weitestgehend zu alt, defekt oder erst gar nicht vorhanden. Es mangelt an Funkgeräten, Ferngläsern, Computern, Motorrädern, Geländewagen, Gewehren, etc. In den Stationen der Wildhüter existieren nicht einmal Bücher über die iranische Fauna und Flora, wovon sie selbst etwas lernen könnten.
5- Die Anzahl der Wildhüter ist in allen Nationalparks viel zu gering und die meisten Aufgaben sind somit erst gar nicht ausführbar. Als Beispiel erwähne ich den „Naybandan-Park“. Mit einer Fläche von 1,5 Millionen Hektar hat dieser Park nur acht Wildhüter. Beim besten Willen ist es in keinem Fall möglich, mit so wenig Wildhütern solch eine große Fläche zu kontrollieren und zu schützen. An andere Aufgaben kann dabei überhaupt nicht gedacht werden.
6- Das Sammeln und Entsorgen des unnatürlichen Mülls, wie Plastik und Altbatterien in den Nationalparks muss in Zukunft zu den täglichen Aufgaben eines Wildhüters gehören, da diese der Natur und den Wildtieren große Schäden zufügen. Die fachgerechte Entsorgung des Mülls wurde von mir in keinem Nationalpark Irans beobachtet!
7- Die meisten Bauern, die in der Nähe der Nationalparks leben, bewirtschaften ihre Agrarlandschaften auf traditionelle Art und Weise, was zu einem erheblichen Mehrverbrauch von Wasser führt. Dieses Wasser wird in der Regel den Flüssen entnommen, die eigentlich das Wasser zu einem See transportieren sollten. Die Folge ist leicht nachvollziehbar: Die Seen trocknen aus! Ein gutes Beispiel dafür ist der „Bakhtegan-See“, wo die Wassermenge in den letzten Jahren stetig geringer geworden ist. Dies bedroht das ökologische Gleichgewicht in der Region und vernichtet den Lebensraum von unzähligen Tieren, die von diesem Wasser abhängig sind. Der „Bakhtegan-See“ ist ein äußerst wichtiger Brutplatz von Pelikanen, Flamingos und zahlreichen anderen Wasservögelarten. Unter anderem müssen die Bauern lernen, wie sie mit modernen Methoden der Landwirtschaft ihren Wasserverbrauch drosseln können.

8- Es werden im Iran jährlich etwa eine Million Jagdlizenzen ausgehändigt! Jeder Jäger erhält dabei 400 Kugeln ! Irans Tierwelt ist aber nicht so üppig, dass sie jährlich vierhundert Millionen tote Tiere verkraften könnte. Es ist zu beachten, dass hierzu noch die illegalen Jäger gerechnet werden müssen, deren Zahl noch erheblich höher ist, als die, die sich eine Jagdlizenz leisten können. Es gibt dabei noch ein weiteres Problem: Die Jäger im Iran genießen, wie die Wildhüter, keinerlei Schulungen bezüglich der Zusammenhänge in der Natur. Das heißt im Klartext: Jeder, der sich ein Gewehr und die Jagdlizenz leisten kann, darf auch jagen! Diese nicht ausgebildeten Jäger schießen naturgemäß immer die größten, gesündesten und die schönsten Tiere. Das führt dazu, dass sich nur die Schwachen und Kranken fortpflanzen, wodurch erhebliche und in einigen Regionen sichtbare genetische Probleme bei den Tieren auftreten.
9- Die meisten iranischen Nationalparks sind nicht umzäunt. Diese Tatsache verursacht unterschiedliche Probleme für den Schutz der Natur in den Nationalparks:
a ) Die Viehzüchter, die in der Umgebung der Nationalparks leben, lassen ihr Vieh ungehindert in den Nationalparks weiden, was dazu führt, dass die Wildtiere im Park mehr oder weniger verhungern. Als Beispiel dafür erwähne ich das unter Schutz gestellte Gebiet „Heidary“. In diesem 55000 Hektar Schutzgebiet weiden etwa 20000 Schafe und Ziegen der Bauern.
b ) Das Vieh der Bauern kann leicht Krankheiten an das Wild übertragen.
c ) Dadurch, dass die Parks keine Zäune aufweisen, können die Wilderer ungestört mit ihren Fahrzeugen in die Parks hinein fahren, ihre Beute erlegen und ungehindert wieder heraus fahren.
d ) Der Zaun würde ebenfalls verhindern, dass die Wildtiere den Landwirten große Schäden zufügen und zudem verhindern, dass die Wildtiere außerhalb der Parks von Autos angefahren werden.
10- Zahlreiche Wildhüter aus unterschiedlichen Teilen des Landes berichteten mir, dass sie davon ermüdet sind, illegale Jäger immer wieder zu verhaften, da sie oft sehr schnell wieder auf freien Füßen sind. Die Korruption im System, verschafft den Wilderern eine schnelle Freilassung!
11- Die Zoos im Iran befinden sich in einem katastrophalen Zustand! Es ist kaum noch eine schlechtere Haltung und Behandlung der Tiere möglich. Tiere werden wie Sachgegenstände gehalten. Als Beispiel erwähne ich den privaten Zoo von Shiraz. Hier werden zahlreiche Braunbären in „Einzelhaft“ gehalten. Die Tiere sind in Käfigen untergebracht, die kaum größer sind als sie selbst. Sie können nur ihre Köpfe von links nach rechts bewegen. Alle Braunbären, die ich dort sah, waren psychisch gestört und krank! Des weiteren gibt es dort einen Käfig, in dem etwa 30 Löwen auf engstem Raum zusammen leben müssen. Darunter mehrere Männchen! Den Rest kann sich jeder selbst vorstellen. Auf den Käfigen stand geschrieben, dass diese Löwen „asiatisch“ seien. Durch viele Querzüchtungen in den Zoos konnte ich persönlich nicht eindeutig ermitteln, ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht. Wenn dies mit DNA-Analysen zu bestätigen ist, stellen diese Löwen einen ungeheuer wichtigen Schatz für die iranische Natur dar. Diese Art, die bereits vor Jahrhunderten in der Natur Irans ausgerottet wurde, könnte wieder eine zweite Chance bekommen. Während meiner Reise durch den Iran fand ich sogar einen Nationalpark, in dem wieder asiatische Löwen ausgewildert werden könnten. Im Nordosten des Landes im „Shir Ahmad Park“ gibt es alles, was der asiatische Löwe zum Überleben braucht. Der Park hat eine Fläche von 22000 Hektar und wenn er umzäunt werden würde, hätte er auch genügend Beutetiere für eine kleine Löwenfamilie. Dieser Park könnte der erste Nationalpark Irans werden, in dem der asiatische Löwe wieder eine Heimat findet! Für eine Zusammenarbeit beraterischer Art, bezüglich der Vorbereitungen und Organisationsarbeiten stehe ich dem Umweltministerium gerne zur Verfügung.
12- In den iranischen Zoos und in den meisten Nationalparks werden keinerlei Forschungsarbeiten getätigt. Das Inzuchtproblem ist sowohl in den Zoos, als auch in einigen Nationalparks sofort sichtbar. Tiere mit entsprechenden Krankheiten sind überall zu finden. So wie in den Nationalparks, werden auch in den Zoos keinerlei Informationen über die Tiere, ihre Lebensweise etc. an die Besucher weitergegeben.
13- Auf all meinen Reisen habe ich kein Land gesehen, in dem so viele ausgestopfte Tiere als Dekorationsgegenstände zum Verkauf angeboten werden, wie im Iran. Im Norden des Landes gibt es unzählige Läden, in denen man ausgestopfte Vögel, Säugetiere, Reptilien und Fische kaufen kann. Die meisten Tiere, die ich in der freien Natur mit größter Mühe zu Gesicht bekommen habe, waren in jedem Laden als Dekorationsgegenstand zu kaufen. In den Läden findet man zwar nur die Tiere, deren Jagd erlaubt ist, aber die Hintermänner verkaufen auch ausgestopfte geschützte Tiere wie Leoparden, Karakals, Braunbären, Schwarzbären und alles andere, was bestellt wird. Dies muss verboten und stark bekämpft werden!
14- Einige Schnellstraßen und Bahnschienen durchqueren die Nationalparks. Hier sind Unfälle mit Wildtieren vorprogrammiert. Jährlich sterben unzählige Wildtiere durch einen Zusammenstoß mit Zügen und Autos. Darunter zahlreiche Füchse, Schakale, Wölfe, Bären, Leoparden, sogar Geparde, Wildschweine, Stachelschweine, Antilopen, Schlangen etc. Dies muss sich in Zukunft ändern! Keine neuen Schnellstraßen in den Nationalparks und eine Umleitung der vorhandenen Straßen außerhalb der geschützten Gebiete. Des weiteren hinterlassen die Reisenden Unmengen an Müll in den Nationalparks, während sie am Straßenrand Picknick machen. Einige waschen sogar ihre Fahrzeuge in den Flüssen des Nationalparks, was zu einer erheblichen Schädigung des Fluss-Ökosystems führt.
15- In vielen Nationalparks des Irans lassen sich die ultraleichten Flugzeuge, die mit der Ausbildung des Piloten nicht mehr kosten als ein Geländewagen, als Patroullienfahrzeuge gut einsetzen. Diese können zwei Personen und zusätzlich 60 kg Gepäck befördern, brauchen keine speziellen Landeplätze und verbrauchen das ganz normale Benzin. Der Einsatz dieser Flugzeuge bringt mehr Flexibilität und Mobilität. Damit kann die Zählung der Tiere wesentlich leichter, schneller und effektiver vollzogen werden. Des weiteren kann ein Flugzeug im Kampf gegen die Wilderer besser eingesetzt werden und auch eine wesentlich größere Fläche der jeweiligen Parks kontrollieren, als dies jemals mit einem Geländewagen möglich wäre.

Ich habe diesen Umweltschutz-Report unaufgefordert und auf meine eigenen Kosten erstellt und hoffe, damit dem Naturschutz, dem Umweltministerium und dem iranischen Volk geholfen zu haben.

Folgende Stellen erhalten jeweils eine Kopie von diesem Bericht:

- der Präsident des Irans
- der Vorsitzende des iranischen Parlaments
- die Umweltministerin
- der Ministerpräsident des Bundesstaates Markazi
- die Vorsitzenden der iranischen Fernsehkanäle 1, 2, 3, 4 und 5
- alle Umweltministerien der jeweiligen Bundesstaaten


DIE NATUR ZU SCHÜTZEN HEISST SICH SELBST ZU SCHÜTZEN!


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